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	<title>Spezial: Farbbeutelinfo No. 2</title>
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<table border="0" width="80%" height="100%" align="center">

<tr>
	<td><h2>einSATZ!</h2><b>
...rote Ohren f&uuml;r Kriegstreiber<br>
...f&uuml;r einen bissigen Antimilitarismus & Antiimperialismus<br>
...gegen die Kriminalisierung des Antikriegswiderstandes</b>
	</td>
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	<td>

<h3>Schleswig-Holsteinisches Info zu den Prozessen wegen der Aktionen zum Kriegsparteitag der Gr&uuml;nen</h3>

 Am 24. M&auml;rz 1999 begann der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien. Elf Wochen der Bombardierungen hinterlie&szlig;en ein verw&uuml;stetes Land - Tausende von Menschen wurden get&ouml;tet, Hunderttausende vertrieben. Auch nach der Einrichtung des NATO-Protektorats und der R&uuml;ckkehr vieler Fl&uuml;chlinge in zerst&ouml;rte Siedlungen und St&auml;dte hielten die Vertreibungen und Morde, nun unter anderen Vorzeichen an. Mittlerweile hat sich im Kosovo eine Apartheidsgesellschaft etabliert, in der die Besatzungsmacht auf unabsehbare Zeit der bestimmende Machtfaktor bleiben wird.<br>

Aus Deutscher Sicht ein voller Erfolg, gelang es doch, dem erkl&auml;rten Ziel der Wiedererlangung einer Weltmachtposition durch die Demonstration milit&auml;rischer Interventionsf&auml;higkeit ein St&uuml;ck n&auml;herzukommen. Der offene Krieg als fester Bestandteil der deutschen Aussenpolitik ist nunmehr durchgesetzt und wird in Zukunft auch angewendet werden. So beschreibt Aussenminister Fischer in einer Erkl&auml;rung vom 27.12.99 den Krieg gegen Jugoslawien als einen positiven "weit in die Zukunft reichenden Impuls", und erkl&auml;rt diese Art der Intervention zu einem der zuk&uuml;nftigen Schwerpunkte der deutschen Aussenpolitik machen zu wollen, da die innere Verfasstheit von Staaten nicht l&auml;nger allein eine ‚innere Angelegenheit' sei.<br>
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Obwohl das Programm der NATO seit ihrer Gr&uuml;ndung Krieg war und Deutschland sp&auml;testens mit der Wiedererlangung der vollen staatlichen Souver&auml;nit&auml;t auf beschleunigtem Gro&szlig;machtkurs war, hat sich eine Bewegung gegen den Krieg gegen Jugoslawien nicht wirklich entwickelt. Und dass obwohl die Remilitarisierung deutscher Aussenpolitik nicht zu &uuml;bersehen war. Immerhin sind durch schrittweise Out-of-area-Eins&auml;tze der Bundeswehr die praktischen M&ouml;glichkeiten der Kriegsf&uuml;hrung auch innenpolitisch ausgelotet worden. Es ist allerdings nicht nur die "alte" militarisierende Politik beispielsweise in Form der Gel&ouml;bnisoffensive des ehemaligen Verteidigungsministers Volker R&uuml;he gewesen, &uuml;ber die eine innenpolitische Zustimmung zur neuen Rolle Deutschlands erwirkt wurde. Vielmehr ist es der Diskurs um humanit&auml;re Interventionen gewesen, in dem sich, selbst bei Teilen der Linken und Linksliberalen, die Bereitschaft zum Kriegshumanismus entwickelte. Unter den Bedingungen des Jugoslawienkriegs wurde er zeitweise moralisch auf die Verhinderung einer herbeiphantasierten Wiederholung von Auschwitz zugespitzt. Die ehemalige Friedensbewegung wurde unter Verwendung humanistischer Phrasen mit militarisierter Aussenpolitik vers&ouml;hnt und KriegsgegnerInnen wahlweise als "Profaschisten" (Vollmer) beschimpft oder ihnen wurde unterstellt, "Herrn Milosevic schlagt ihr demn&auml;chst f&uuml;r den Friedensnobelpreis vor" (Fischer). Diesen unversch&auml;mt vertraulichen, wie auch an Ort und Stelle nicht ungeschickten Satz, sagte Fischer im Gegensatz zu vorhergehenden Ungeheurlichkeiten diesmal nicht ohne vorher rot geworden zu sein.<br>
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<b>Do you remember Bielefeld?</b><br>

Ein gut plazierter Beutel mit roter Farbe traf den Aussenminister auf dem Sonderparteitag der Gr&uuml;nen in Bielefeld, markierte ihn und mit ihm die Gr&uuml;ne Partei.<br>

Schon zu Beginn des Krieges focussierten Teile der Antikriegsbewegung die Gr&uuml;ne Partei. Dass die Partei zur Kriegspartei geworden war, darin waren sich mehr oder weniger alle einig. Nur wie damit umgehen? W&auml;hrend einige darauf setzten, die kritischen Gr&uuml;nen auch gerade im Hinblick auf den Sonderparteitag zu st&auml;rken - ein ambitioniertes Ziel war der Bruch der Koalition - kritisierten andere gerade die Mischung aus gr&uuml;ner Kriegs- und Friedenspolitik, welche die scharfe politisch-moralische Waffe der "inneren Zerrissenheit" generierte. Die Vollendung der von der vorigen Bundesregierung vorbereiteten Kriegspolitik durch die Gr&uuml;nen wurde deshalb besonders kritisch und als angreifenswert begriffen, da diese dem Kriegsvorwand "Menschenrechte" eine weit h&ouml;here Glaubw&uuml;rdigkeit verleihen konnten als andere Parteien und damit wirkungsvoll sowohl innere Widerst&auml;nde als auch internationale Kritik an der deutschen Rolle im Kosovo-Krieg minimiert werden konnten. So stellte sich in der Perspektive der zweiten Fraktion der auch von KriegsgegnerInnen innerhalb der Gr&uuml;nen eingeforderte Sonderparteitag zum Krieg als verhinderungsw&uuml;rdig dar. "1999 am Himmelfahrtstag in Bielefeld zu demonstrieren hat das Ziel, radikal die rot-gr&uuml;ne Kriegs- und Friedenspolitik zu demontieren." (aus dem bundesweiten Aufruf) Die Inszenierung des Parteitages hatte zun&auml;chst das Ziel, das &Uuml;berleben des Gr&uuml;nen Projekts abzusichern, dessen Erfolge gerade in der Mischung aus Machtopportunismus und Moral begr&uuml;ndet liegen. In der aktuellen Frage des Krieges musste es f&uuml;r beide Lager in den Gr&uuml;nen darum gehen, das Auseinanderbrechen der Partei zu verhindern und einen Kl&auml;rungsprozess mittels einer Abstimmung in einen politikf&auml;higen Kompromiss zu &uuml;berf&uuml;hren. Auch f&uuml;r KriegskritikerInnen wie Str&ouml;bele war schon im Vorfeld klar: "Wir wollen weder aus der Koalition raus, noch unseren Aussenminister in Frage stellen." Die SonderparteitagsdelegiertInnen stimmten denn auch f&uuml;r den Antrag des Bundesvorstandes, der forderte, "dass die NATO einseitig eine Unterbrechung der Luftangriffe auf Jugoslawien erkl&auml;rt", w&auml;hrend die offizielle Linie deutscher Aussenpolitik eine Unterbrechung an nachpr&uuml;fbare Signale aus Belgrad kn&uuml;pfte. Vom Sonderparteitag ging im Ergebnis eine Initiative f&uuml;r eine den deutschen Verh&auml;ltnissen angepasste Realo-Kriegspolitik aus. Diese ging einen Schritt hinter die urspr&uuml;ngliche NATO-Forderung nach der bedingungslosen Kapitulation zur&uuml;ck, um eine weitere Eskalation in Form des Einsatzes von Bodentruppen zu vermeiden.<br>

Zu diesem Parteitag, der am 13.Mai in Bielefeld stattfand, mobilisierte ein bundesweites autonomes Antikriegsplenum mit dem erkl&auml;rten Ziel die Halle zu besetzen und die erste bundesweite Antikriegsversammlung durchzuf&uuml;hren. Unter dem Motto "Kein Kriegsparteitag - Antikriegsversammlung" sollte der Raum f&uuml;r einen gesellschaftlichen Konflikt ge&ouml;ffnet werden, in dem sich der Widerstand antiinstitutionell verh&auml;lt und lebendige au&szlig;erparlamentarische Opposition organisiert. Regionale Aufrufe titelten mit "Zerschlagen wir die NATO! - Fangen wir mit den Gr&uuml;nen an" (Berlin), "Die NATO-Kriegsmaschine angreifen - fangen wir bei den Gr&uuml;nen an" (Hamburg) und "F&uuml;r die Endlagerung der Gr&uuml;nen und die Neuformierung einer k&auml;mpferischen linksradikalen Bewegung" (Schleswig-Holstein).<br>

Der Versuch, durch die Bullenabsperrungen zu brechen, mi&szlig;lang, so dass sich eine Blockade entwickelte. Diejenigen, die es auf Umwegen und mit Tricks in das Parteitagsgeb&auml;ude schafften, rollten Transparente aus und schimpften vor allem die Gr&uuml;ne Prominenz "M&ouml;rder" und anderes. Auch roch es in der Halle ziemlich stark nach Butters&auml;ure. Die bekannteste Aktion des Tages sollte der Farbbeutelwurf auf Josef Fischer werden. Dar&uuml;ber haben wir uns &uuml;brigens sehr gefreut! Ein gro&szlig;er Wurf!
Verfolgungsma&szlig;nahmen gegen KriegsgegnerInnen wurden eingeleitet, weil Gr&uuml;ne Delegierte am Einlass in die Kriegsparteitagshalle gehindert wurden und weil der Aussenminister einen (nicht beabsichtigten) Ohrschaden erlitten hat. Die Vorw&uuml;rfe lauten auf Landfriedensbruch, Widerstand und K&ouml;rperverletzung. Mittlerweile sind einige Strafbefehle ergangen, gegen die meisten wurde Einspruch eingelegt.
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<b>Die Prozesse nutzen!
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In der Perspektive eines Antirepressionsansatzes geht es nat&uuml;rlich darum, der Kriminalisierung unserer Politik entgegenzutreten. Dar&uuml;ber hinaus gibt es verschiedene Motivationen und Ausrichtungen der unterzeichnenden Gruppen. Im vorliegenden Fall, der Kriminalisierung des Antikriegsprotestes, ist eine Perspektive, gerade auch die Definitionsmacht &uuml;ber den Begriff der Gewalt nicht widerspruchslos zu schlucken. Einspruch gegen Strafbefehle einzulegen, um ihnen politisch zu entgegnen, hei&szlig;t den Zynismus der Macht nicht anzuerkennen, der auf der einen Seite den Krieg legitimiert und auf der anderen Seite den Protest verfolgt. Nicht in Passivit&auml;t zu verfallen, sondern &uuml;ber die anstehenden Prozesse den gewaltt&auml;tigen Normalzustand der Kriege hervorbringt anzuklagen und Antikriegspolitik weiterzuentwickeln, ist die weitergehende M&ouml;glichkeit die wir haben und nutzen wollen.
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F&uuml;r vorausschauenden Antimilitarismus & Antiimperialismus!<br>

Februar 2000<br>

<b>eine Text von: bewegung!-Gruppe gegen Stillstand im Normalzustand, elvira, KAGON und Einzelpersonen
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<b>Mittwoch, 23.2.</b><br>

Die Gr&uuml;nen laden zur Wahlkampfabschlussparty mit B&uuml;ffet und live-Musik im Norwegenterminal in Kiel - kostet nix! Einlass 18.30h, Beginn 19.30h. Josef Fischer kommt auch. Achtet auf gesonderte Ank&uuml;ndigungen! Am Freitag, den 18.2. ist um 20.00h ein Absprachetreffen f&uuml;r den Besuch der Wahlkampfabschlussparty in der Hansastr.48. Dort k&ouml;nnen wir auch die Fahrt zum Befragungstermin in Berlin koordinieren.
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<b>24. oder 25.3.</b><br>

Zum Jahrestag des Beginns der NATO-Kriegs soll es eine Aktion geben, um ein NEIN gegen die Verh&auml;ltnisse zum Ausdruck zu bringen, die Kriege hervorbringen. Achtet auf Ank&uuml;ndigungen! Ein Vorbereitungstreffen hierzu ist am Donnerstag, den 24.2 in der Hansastr. 48 um 19.00h.
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<b>Sonntag, 26.3.</b><br>

Nach dem Krieg ist vor dem Krieg, oder: "Obwohl zum Innehalten die Zeit nicht ist, wird einmal keine Zeit mehr sein, wenn wir jetzt nicht innehalten"<br>

F&uuml;r eine antimilitaristische und antiimperialistische Linke ist eine Bestandsaufnahme der j&uuml;ngeren (und &auml;lteren) Antikriegspositionen von Bedeutung und wo n&ouml;tig eine Aktualisierung bzw. Neuformulierung. Um 11.00h beginnt in der Hansastra&szlig;e 48 eine offene Diskussion &uuml;ber Bedingungen und Perspektiven einer linken ausserparlamentarischen Antikriegspolitik auf der Grundlage von Erfahrungen in Schleswig-Holstein. Wir wollen Genauigkeit in die Differenzen bringen und nach einem in tats&auml;chlichen Gemeinsamkeiten begr&uuml;ndeten ‚Wir' suchen. F&uuml;r vorausschauenden Antimilitarismus & Antiimperialismus!<br>

Kontakt: bewegung! (Gruppe gegen Stillstand im Normalzustand), Schweffelstr.6, 24118 Kiel, Fax: 0431-57 70 56
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<b>schon mal f&uuml;r den Terminkalender</b>

Am 26.4. wird gegen eine Frau aus Kiel ein Proze&szlig; in Bielefeld stattfinden. Der Vorwurf lautet auf Landfriedensbruch.
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<b>Menschen aus Schleswig-Holstein, die von Verfahren betroffen sind, melden sich bitte beim Ermittlungsausschuss S-H: 0431-57 96 555 (24-Std. Anrufbeantworter)
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Die Verfahren wegen der Mobilisierung nach Bielefeld kosten wie immer Geld. Spenden bitte auf das Prozesskonto des Ermittlungsausschusses Berlin: Kontonr: 20610-106, Postbank Berlin, BLZ: 10010010, Wichtig: Stichwort AUFPRALL
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<b>Infos und Kontakt
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<b>Schleswig-Holstein:</b> zu bielefeld - c/o Infoladen Beau Rivage - Hansastr. 48-24118 Kiel - Fax: 0431-56 37 17<br>

<b>Berlin:</b> Fischerch&ouml;re - c/o Buchladen Schwarze Risse - Gneisenaustr. 2a - 10961 Berlin
 

 
	
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