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	<title>Kein FriedeN mit der NATO - Redebeitrag von l.u.p.u.s.</title>
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<h1>Rede vor der dem gr&uuml;nen Sonderparteitag in Bielefeld am 13.5.1999</h1>

<h3>(im Rahmen des bundesweiten Aufrufs autonomer Gruppen)</h3>

<P>Wir sind hier hergekommen, um Ihren gr&uuml;nen Sonderparteitag f&uuml;r den Krieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien zu verhindern. Wir sind weder Ihr Spielbein, noch Ihr Standbein. Wir werden uns nicht daran beteiligen, als KriegsgegnerInnen zur Begr&uuml;nung Ihres Parteitags beizutragen. Wir wollen Ihnen-mit aller Bescheidenheit und Wut- Steine in den Weg legen. </P>
<P>Sie wollen Verantwortung &uuml;bernehmen. Die sollen Sie zu sp&uuml;ren bekommen.</P>
<P>Sie werden uns vielleicht fragen: warum gerade wir? Die, die sich mit dieser Kriegsentscheidung so schwer getan haben, so gerungen haben, so viele schlaflose N&auml;chte damit verbracht haben. Zu einem &quot;gerechten&quot; Krieg geh&ouml;ren schlaflose N&auml;chte, &uuml;berm&uuml;dete Gesichter, Menschen, denen man die Schwere der politischen Entscheidung ansieht. Genauso wie ein Herr Scharping, der jahrelang als getretener Hund in der SPD sein erkl&auml;gliches Dasein fristete und nun, als erster Kriegsminister der SPD stolz und &uuml;ber sich hinauswachsend durch seine selbst aufgebaute Nazi-Kulisse in Jugoslawien -versteht sich- wandert.</P>
<P>Es vergeht kein Tag, wo Sie als gr&uuml;ne, deutsche PolitikerInnen Jugoslawien in eine Kulisse des Nazi-Deutschlands verwandeln. Von Deportationen, von KZ, von Vertriebenen, vom Diktator ist die Rede- w&auml;hrend hier Nazi-Gr&ouml;&szlig;en, vor jeder Verfolgung gesch&uuml;tzt, ihre Karrieren in Politik und Wirtschaft fortsetzen konnten. Nazi-Gr&ouml;&szlig;en, die jene deutsche Au&szlig;enpolitik mitpr&auml;gten, f&uuml;r deren Kontinuit&auml;t sich Joschka Fischer ausdr&uuml;cklich verb&uuml;rgt. W&auml;hrend hier ZwangsarbeiterInnen vergeblich um Entsch&auml;digung ringen, braune &quot;befreite Zonen&quot; existieren, in denen alle, die nicht &quot;deutsch&quot; genug aussehen um ihr Leben f&uuml;rchten m&uuml;ssen, werden in Jugoslawien die Lehren aus der deutschen Geschichte exekutiert. Im Gestus derer, die ihre Eltern gefragt haben, warum sie nicht Auschwitz verhindert haben, wird die nationalsozialistische Vergangenheit nachgestellt, um diesmal auf der Seite der Sieger deutsche Kriegspolitik zu betreiben. Selbst f&uuml;r die Zeit nach dem Krieg drohen Sie mit Ihren Erinnerung an die NS-Diktatur: Ein &quot;Marshall-Plan&quot; ist bereits aufgestellt. Den Bombenlegern sollen unverz&uuml;glich die Kreditoren folgen.</P>
<P>Nein, meine Damen und Herren, Sie leugnen nicht die Einzigartigkeit von &quot;Auschwitz&quot;. Um Deutschland wieder kriegst&uuml;chtig und angriffsf&auml;hig zu machen, brauchen Sie &quot;Auschwitz&quot;. Um endlich wieder Krieg zu f&uuml;hren, verweisen Sie gerade auf &quot;Auschwitz&quot;, um mit rechten &quot;Auschwitz-L&uuml;gen&quot; und linken &quot;Auschwitz&quot;-Relativierungen an ein <B>gemeinsames</B> Ziel anzukommen: Krieg als Ausdruck voller au&szlig;enpolitischen Normalit&auml;t. Sie haben es geschafft, aus der Einzigartigkeit von &quot;Auschwitz&quot; eine einzigartige Kriegsdrohung zu machen. Ihr gr&uuml;ner Kriegsbeitrag kann widerlicher kaum sein.</P>
<P>Nicht wir, Sie lassen keine passende Gelegenheit aus, auf das Grundgesetz, das UN-V&ouml;lkerrecht und die gro&szlig;e Bedeutung internationaler Rechtsgarantien zu verweisen, wenn es darum geht, ihr Phantasma von der &quot;Zivilgesellschaft&quot; einzukleiden. Sie wissen genau, da&szlig; dieser Krieg -ganz verfassungspatriotisch gesprochen- eklatant gegen das Grundgesetz und gegen das UN-V&ouml;lkerrecht verst&ouml;&szlig;t. Statt sich als Kriegsverbrecher freiwillig dem internationalen Gerichtshof in Den Haag zu &uuml;berstellen, fordern sie ein neues UN-Recht, das zuk&uuml;nftig das f&uuml;r &quot;straffrei&quot; erkl&auml;ren soll, was heute schlichtweg Kriegverbrechen sind.</P>
<P>Sie wissen seit mindestens 50 Tagen Nato-Krieg, was in Ihrem Krieg &quot;milit&auml;rische&quot; Ziele sind: Br&uuml;cken, Krankenh&auml;user, Raffinerien, Heiz-und Stromkraftwerke, Telefonverbindungen, Fernseh-und H&ouml;rfunkstationen, Getreidesilos, Autofabriken..Sie wissen, da&szlig; die gesamte zivile Infrastrukrur dieses Landes zerst&ouml;rt werden soll. Sagen Sie blo&szlig; nicht, davon haben Sie nichts gewu&szlig;t, das sei der Dynamik eines Kriegs geschuldet, den Sie <B>so</B> nicht wollten. Wie , z. B. Herr Trittin. Herr Trittin, Sie sind ein Heuchler. Sie wissen noch mehr als wir, da&szlig; es sich dabei nicht um &quot;fehlgeleitete&quot; Bomben handelt, sondern um biologische Kriegsf&uuml;hrung, die die Bev&ouml;lkerung, nicht nur im Krieg, sondern vorallem nach diesem Krieg, zur Gei&szlig;el dieser Nato-Politik machen soll. Fragen Sie Ihren Kampfgenossen Joska Fischer. Der wei&szlig;, da&szlig; genau diese Ziele Abend f&uuml;r Abend abgestimmt und Tag f&uuml;r Tag durchgebombt werden.</P>
<P>Sie rechtfertigen diese Kriegsverbrechen damit, da&szlig; Sie einem &quot;Diktator&quot;, einem &quot;Schl&auml;chter&quot; das Handwerk legen wollen, da&szlig; sie dort, Bombe f&uuml;r Bombe, Demokratie und Menschenrechte herstellen wollen. Wir m&uuml;ssen Ihnen heute nicht die vielen Dikaturen und Milit&auml;rregimes aufz&auml;hlen, die im Namen und in Obhut der Nato tagt&auml;glich morden, Menschen vertreiben und auspl&uuml;ndern. Lassen wir das. </P>
<P>Sie hatten in diesem Land genug Gelegenheit gehabt, gegen Rassismus und Nationalismus Position zu beziehen. Wie l&auml;cherlich Ihre Kriegsparolen sind, beweist sich im Frieden. Statt jedem Nationalismus den Kampf anzusagen, haben sie den &quot;nat&uuml;rlichen&quot; und &quot;gesunden&quot; Nationalismus entdeckt. Statt der rassistischen Kampagne der CDU gegen das doppelte Staatsb&uuml;rgerschaftsrecht entschieden entgegenzutreten, haben Sie windelweich den Schwanz eingezogen. Statt der SPD, die das Asylrecht mit abgeschafft hat, den Kampf anzusagen, &uuml;berbieten sie sich gegenseitig mit Betroffenheitsriten, wenn es um das Schicksal von Fl&uuml;chtlingen aus dem Kosovo geht, die <B>vor</B> Ihrem Nato-Krieg, landauf, landab, als ‘kriminelle H&uuml;tchenspieler’ gehandelt und als ‘Scheinasylanten’ abgeschoben wurden. Lassen wir das.</P>
<P>Ihr Gerede von Menschenrechten und Demokratie ist nackter Zynismus, wenn man sich vorstellt, was <B>nach</B> diesem Krieg- egal wie er milit&auml;risch endet- passieren wird. Egal, welche Regierung danach kommt, jede demokratische Wahl wird zur Farce, wenn man sich nur eine Sekunde vergegenw&auml;rtigt, was es hei&szlig;t, Kredite f&uuml;r den Wiederaufbau eines zerst&ouml;rten Landes von denselben Herren in Empfang zu nehmen, die zuvor das Land in Schutt und Asche gelegt haben. Das Nato-Protektorat Bosnien- Herzegowina ist daf&uuml;r ein Beispiel- die demokratische Verfassung dieses Landes ein Kinderparlament.</P>
<P>Zu diesem &quot;gerechten&quot; Krieg passen nicht nur Ihre &uuml;berm&uuml;deten Gesichter, der herzzerrei&szlig;ende, anstrengende Weg vom &quot;Prinzip der Gewaltfreiheit&quot;, hin zum erweiterten Pazifismusbegriff, sprich Krieg. Zu Ihrem &quot;gerechten&quot; Krieg geh&ouml;rt auch, die zur Schau gestelle Ohnmacht. Das lange zuschauen, die Inszenierung der Tatenlosigkeit, die ein Ende haben mu&szlig;. Nicht einmal Ihr Therapeut w&uuml;rde Ihnen das glauben.</P>
<P>M&uuml;ssen wir Ihnen wirklich erkl&auml;ren, da&szlig; lange vor dem Nato-Angriffskrieg Deutschland und viele Nato-Mitgliedsl&auml;nder an der Zerst&ouml;rung der Bundesrepublik Jugoslawien mitgewirkt haben? Wollen Sie uns wirklich wei&szlig;machen, da&szlig; Sie nicht wissen, da&szlig; mit sogenannten Strukturanpassungskrediten vom IWF u.s.w. der wirtschaftliche und soziale Ruin Jugoslawiens eingeleitet und vorangetrieben wurde? M&uuml;ssen wir Ihnen wirklich die Strategiepapiere des &quot;Westens&quot; um die Ohren schlagen, in denen von Menschenrechten nicht die Rede ist,- daf&uuml;r umso mehr von geo-politischen Interessen, den &quot;Balkan&quot; f&uuml;r den kapitalistischen Weltmarkt reif zu schie&szlig;en? Weder Sie, noch Deutschland haben dabei zugeschaut- Sie haben diesen Proze&szlig; wirtschaftlicher und sozialer Destabilisierung aktiv mitbetrieben.</P>
<P>Es geh&ouml;rt zu Ihrem Liebungswort, in Jugoslawien von &quot;ethnischen S&auml;uberungen&quot; zu reden- und in die T&uuml;rkei Waffen zu schicken- im Kampf gegen den kurdischen Widerstand.</P>
<P>Keine Frage: die Ethnifizierung Jugoslawiens w&auml;re ohne die entsprechenden intellektuellen und nationalen Eliten vor Ort nicht m&ouml;glich gewesen. Doch genauso zweifelsfrei steht fest, da&szlig; der blutige Erfolg dieser Ethnifizierung ohne die aktive Rolle der Bundesrepublik nicht m&ouml;glich gewesen w&auml;re. Es war gerade die vorangegangene Bundesregierung, in deren au&szlig;enpolitische Kontinuit&auml;t Sie sich ausdr&uuml;cklich stellen, die als erstes eurp&auml;isches Land, Kroatien anerkannt hat. Die Verbrechen, die in diese Staatsgr&uuml;ndung m&uuml;ndeten, brauchen hier nicht aufgef&uuml;hrt werden. Die &uuml;ber 1 Millionen Fl&uuml;chlinge, die diesem Nationalwahn zum Opfer fielen, sind bekannterma&szlig;en f&uuml;r Sie nicht der Rede wert.</P>
<P>Wir wissen -aus Funk und Fernsehen- da&szlig; Sie sich schwer getan haben, f&uuml;r diesen Nato-Angriffskrieg zu stimmen. Sie haben uns wissen lassen, da&szlig; alles versucht wurde. Sie haben verhandelt, in Rambouillet, wochenlang. Sie nannten uns eherenwerte, v&ouml;llig selbstlose Ziele. Dem Scheitern gaben sie einen Namen: Milosevic. Sie haben sich schweren Herzens f&uuml;r das letzte Mittel der Politik entschieden, entscheiden m&uuml;ssen- gegen Ihren eigenen Pazifismus, gegen das Grundgesetz, auf das Sie vereidigt wurden, gegen das ‘reine’ Gewissen. </P>
<P>Sie haben uns nach Strich und Faden belogen.</P>
<P>Sie und all die anderen BT-KollegInnen haben f&uuml;r diesen Angriffskrieg gestimmt- ohne den Vertragstext zu kennen- einschlie&szlig;lich des danach bekanntgewordenden Anhangs. Nicht einmal das schert Sie- zu Recht. Denn so konnten Sie -unbelastet- die Rolle spielen, die in einem ‘gerechten Krieg’ nicht fehlen darf: PazifistInnen, die im &auml;u&szlig;ersten Fall auch Krieg f&uuml;hren. </P>
<P>Wir wissen, sp&auml;testens seit Bekanntwerden des geheim gehaltenen Vertragtextes, da&szlig; diese Verhandlungen den Nato-Krieg gegen Jugoslawien nicht verhindern, sondern <B>vorbereiten</B> sollten. Es ging darum, dem ‘gerechter Krieg’ authentische Bilder vom Ringen um eine friedliche Beilegung des Konfliktes vorwegzuschicken. F&uuml;r die &Ouml;ffentlichkeit posieren Sie mit Menschenrechten, hinter verschlossenen T&uuml;ren wurde verhandelt, als h&auml;tte der Nato-Krieg l&auml;ngst stattgefunden. Der Sieger stand fest, f&uuml;r den Verlierer lag die Pistole auf dem Tisch, die Kapitulation nur noch eine Frage f&uuml;r’s Protokoll.</P>
<P>Die Verhandlungen in Rambouillet sind weder am Autonomiestatus des Kosovo gescheitert, noch an der Frage der Fl&uuml;chtlinge und Vertriebenen. Dem politischen Teil dieses Abkommens stimmte Jugoslawien zu. Gescheitert sind die Verhandlungen an dem Teil des Abkommens, der ganz Jugoslawien zu einem Nato-Protektorat machen sollte und den Kosovo zu einem neuen &quot;unabh&auml;ngigen&quot; Staat. Dieser Teil des gescheiterten Abkommens hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Kosovo-Konflikt zu tun. Daf&uuml;r um so mehr mit geo-strategischen und wirtschaftlichen Interessen der Nato-L&auml;nder, die mit der v&ouml;lligen Zerschlagung Jugoslawiens durchgesetzt werden sollen. Aber warum sollen wir Sie mit Grundsatz- und Strategiepapieren aus dem Verteidigungs- und Au&szlig;enministerium langweilen.</P>
<P>Vom Wiedereinstieg in Verhandlungen soll heute viel die Rede sein, von Fischer’s Friedensplan, von einer Politik hin zur Deeskalation. W&auml;hrend die Nato zeitgleich ihre n&auml;chsten Ziele durchbombt, soll hier und heute der gegenseitige Respekt ge&uuml;bt werden. Hier, in Bielefeld, die Inszenierung einer lebendigen, streitbaren Demokratie, dort in Jugoslawien die Politik der verbrannten Erde. Man wird die KriegsgegnerInnen in Ihren Reihen in den Arm nehmen, man wir Ihnen in Formulierungen und Gesten entgegenkommen. Man wird einen Leitantrag vorlegen und abstimmen, indem Platz f&uuml;r alle ist: genug Platz f&uuml;r KriegsgegnerInnen und noch mehr Platz f&uuml;r Interpretationen und Auslegungsm&ouml;glichkeiten. Die KriegsgegnerInnen in Ihren Reihen werden vers&ouml;hnt sein, die Partei-f&uuml;r alle- gerettet und der Krieg ,in Gestalt von Bomben und Marshall-Plan kann ungestr&ouml;rt weitergehen. Bei allem Respekt f&uuml;r diese Parteitagschoreographie: wir werden Ihnen diesen Gefallen nicht tun, wir werden Ihr Spiel nicht mitspielen,allen Ernstes. Wir werden Ihren Sonderparteitag als das behandeln, was er ist: ein integraler Bestandteil eines verbrecherischen Krieges.</P>

<P>51. Kriegstag, autonome L.U.P.U.S.-Gruppe</P>
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