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	<title>Kein FriedeN mit der NATO - Gr&uuml;ne Himmelfahrt</title>
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<h1>Gr&uuml;ne Himmelfahrt</h1>


<h3>Thesen zum  Kriegsparteitag der Gr&uuml;nen in Hagen</h3>

<P>Die Entwicklung der sogenannten &quot;Realo&quot; - Fraktion innerhalb der Gr&uuml;nen und ihres au&szlig;erparteilichen Milieus wurde von der radikalen Linken untersch&auml;tzt. Ihre Kennzeichnung als reformistisch ist zu kurz gegriffen. Jenseits von polemischen Zuschreibungen gibt es noch keine grunds&auml;tzliche und verallgemeinerte Analyse der langj&auml;hrigen politischen Ver&auml;nderung dieser dominanten Fraktion der ehemaligen &quot;neuen Linken&quot; zu einer b&uuml;rgerlichen, militant antisubversiven, elit&auml;ren und autorit&auml;ren &quot;radikalen Mitte&quot;. Die Auswirkungen dieser Transformation, die von zahlreichen Medien protegiert wurde, sind seit dem Beginn der rot - gr&uuml;nen Koalition in Bonn g&auml;nzlich sichtbar geworden.</P>

<P>Ein gro&szlig;er Teil der Gr&uuml;nen und ihrer W&auml;hlerInnenbasis vollzieht diese Entwicklung mit und profitiert von ihr. Sie trug und akzeptierte die &quot;Realpolitik&quot; mit ihrer Zielrichtung programmatischer und struktureller Anpassung und  Hinarbeitung zur Regierungsf&auml;higkeit. Phasen der Verunsicherung und Sanktionsangst (vor Wahlverlusten, Umfrageergebnissen und Medienkampagnen) innerhalb der Gr&uuml;nen f&uuml;hren zur immer engeren Gruppierung um den existentiellen Regierungspartei - Konsens: keinesfalls die Spielregeln und Normen des herrschenden politischen Systems verletzen oder ver&auml;ndern. Selbst wenn diese Gr&uuml;nen den brutalen Machiavellismus  eines Fischer nicht m&ouml;gen, brauchen sie diesen jedoch, um &quot;Politik Zu machen&quot;, in Konfrontationen und Extremsituationen  zu bestehen. </P>

<P>Die Regierungsparteif&uuml;hrung wird beim Kriegsparteitag alle Kunst aufbieten,  um gleichzeitig Regierung und Opposition,  f&uuml;r Krieg und Pazifismus  zu sein. Neben der Kriegsf&auml;higkeit wird Friedenswillen demonstriert, die ultima ratio und die &uuml;bersch&auml;umende Moral ins Feld gef&uuml;hrt, die innere Geschlossenheit und die pluralistische Debatte bejubelt. Das Ziel ist die Dethematisierung der politischen Konflikte. Und am Ende w&auml;ren nach dem Willen der Parteitagsregie  die Verluste begrenzt und die Partei als Instrument der Machtverteilung und Kontrolle gerettet.</P>

<P>Der Bruch des Bundestagswahlprogramms, des Koalitionsvertrags, der Verfassung, des 2+4-Vertrages und der UN-Charta mit diesem Angriffskrieg - diese nackte Gleichg&uuml;ltigkeit der Regierungs -und Parlamentsoligarchie gegen&uuml;ber der Legalit&auml;t ist  erfreulich  desillusionierend und erschreckend zugleich: Parteien, Parlamente und internationale Institutionen haben die Funktion, den Schein von Kontrolle, &Ouml;ffentlichkeit und Legitimit&auml;t aufrechtzuerhalten. Allein die Sichtbarkeit, die Repr&auml;sentanz der Eliten und Entscheidungstr&auml;ger und ihre T&auml;tigkeit im Parlament b&uuml;rgen scheinbar f&uuml;r demokratische Verh&auml;ltnisse. Mit dem Kriegsbeginn schlug sichtbar die Stunde der Exekutive und des Milit&auml;rs, deren Entscheidungen Parteien und Parlamentsfraktionen nur hinterher traben konnten. Der &quot;harte F&uuml;hrungskern&quot; hat sich demonstrativ von Legalit&auml;tsschranken emanzipiert. &quot;Verletzung der Neutralit&auml;t Belgiens und Hollands ist bedeutungslos. Kein Mensch fragt danach, wenn wir gesiegt haben.&quot; So sprach Adolf Hitler im November 1939 vor Wehrmachtsgener&auml;len; er hat die allgemeinen Regeln und Prinzipien der Macht begriffen und realpolitisch angewandt. Was macht die rot - gr&uuml;ne Koalition anders ?</P>

<P>Der Befehl zu t&ouml;ten und bereit zu sein zu sterben  - verlangt nicht nur von den Soldaten, sondern auch von der Gesellschaft eine Entscheidung: sich entweder der Befehlsgewalt der NATO zu unterwerfen und sich den Inhalt des Befehls zu eigen zu machen, oder sich zu ver-weigern und den Befehl abzulehnen. Jede &quot;dritte&quot; Position, die entweder nur die Gerechtigkeit des Zwecks der Gewalt oder die Legitimit&auml;t der angewandten Mittel bezweifelt, ignoriert die Herrschaftsf&ouml;rmigkeit der Befehlsgewalt an sich. </P>

<P>Ein Teil der Gr&uuml;nen und SozialdemokratInnen will alles tun, um dieser Entscheidung und ihren Folgen auszuweichen und zu vergessen: so schnell wie m&ouml;glich an den Verhandlungstisch zur&uuml;ckkehren, den Kriegseinsatz beenden, den moralischen und politischen Kollaps begrenzen, dann erleichtert zur Debatte um die &Ouml;kosteuer &uuml;bergehen. Paternalistisch nimmt die Bundesregierung diesen unsicheren Teil der Gesellschaft in Schutz mit der Ablehnung des Einsatzes von deutschen Bodentruppen,  und erspart sich selbst weitere Konflikte. Beim Beginn des zweiten Weltkrieges gab es in der deutschen Bev&ouml;lkerung Verunsicherung, aber keine Kriegsbegeisterung. Erst nach den Blitzkriegen und schnellen Siegen gegen Polen, D&auml;nemark, Norwegen, Belgien, Luxemburg, Frankreich und die Niederlande 1939/40 &uuml;bersp&uuml;lte eine Welle nationalistischer Begeisterung das Land: Man ging mit den unbesiegbaren M&auml;chtigen, das versprach Beute, Macht und Anerkennung, die genialen Unternehmen brachten Erfolg und geringere Kosten als erwartet. Dieser h&auml;&szlig;liche Opportunismus, der Angst vor Rache und Niederlage hat, lebt zum Teil in der &Auml;ngstlichkeit weiter, die heute die Schwankenden der einstigen Opposition zeigen.</P>

<P>&quot;Die Kampfentschlossenheit d&uuml;rfe kein Gef&auml;lle nach abw&auml;rts erfahren; stattdessen fortgesetzte Steigerung mit immer bewu&szlig;terer und z&auml;herer Erfassung des politischen Kampfzieles..., die Propaganda m&uuml;sse die Ausgangssituation verdeutlichen, negative Einfl&uuml;sse ausschalten und das positive Kriegsziel klar herausstellen.&quot; So Josef Goebbels in einer Gedenkschrift 1939 zum Kriegsbeginn.  Die innere Front ist eine Problematik, die sich jeder kriegf&uuml;hrenden Partei stellt, so auch Josef Fischer: &quot;In der Entschlossenheit nicht nachlassen, der Gewalt nicht beugen, die Extremsituation durchstehen und handlungsf&auml;hig zeigen.&quot; Die Betonung der Kriegsbereitschaft von Fischer ist konsequent: der Krieg wird l&auml;nger und h&auml;rter als erwartet, so die neue Parole. Die Milit&auml;rmaschinerie l&auml;uft, und nichts wird sie aufhalten. Eine entschlossene Kriegspartei braucht eine begradigte innere Front und keine Deserteure: langsam greift die Disziplinierung. Die Staatssekret&auml;rin im Umweltministerium Gila Altmann wird der Regierungsdisziplin unterworfen (warum trat Lafontaine wirklich zur&uuml;ck ?), Christian Str&ouml;bele sollte der Parteir&auml;son gehorchen, Gregor Gysi wird im Parlament des Landesverrats verd&auml;chtigt (die 5.Kolonne der Adenauer-&Auml;ra taucht wieder auf), und FlugblattverteilerInnen der DFG/VK  werden kriminalisiert, weil sie Soldaten zur Desertion auffordern w&uuml;rden (da&szlig; die Strafanzeigen gegen die Bundesregierung in der Sicht des Generalbundesanwalts gegenstandslos sind, wer h&auml;tte anderes erwartet). Falls sich die Kriegsbef&uuml;rworterInnen mit ihrer Kompromi&szlig;strategie auf dem Gr&uuml;nen Parteitag durchsetzen, wird sich die Exekutive erm&auml;chtigt sehen, gegen KritikerInnen und eine radikale  Opposition aggressiver vorzugehen.</P>

<P>&quot;Ja, das Wort &quot;Friede&quot; bezeichnet in seiner Bedeutung, in welcher es Korrelat zur Bedeutung &quot;Krieg&quot; ist (es gibt n&auml;mlich noch eine ganz andere, ebenfalls unmetaphorische und politische, diejenige, in welcher Kant vom &quot;Ewigen Frieden&quot; spricht), geradezu eine solche a priori  und von allen Rechtsverh&auml;ltnissen unabh&auml;ngige notwendige Sanktionierung eines jeden Sieges. Diese besteht eben darin, da&szlig; die neuen Verh&auml;ltnisse als neues &quot;Recht&quot; anerkannt werden, ganz unabh&auml;ngig davon, ob sie de facto irgendeiner Garantie f&uuml;r ihren Fortbestand bed&uuml;rfen oder nicht.&quot; Walter Benjamin, Zur Kritik der Gewalt.</P>
<P>Der Frieden anerkennt und best&auml;tigt die rechtsetzende Macht des Krieges; das neue Recht eines Friedensvertrages vereinbart &quot;gleiches Recht&quot; f&uuml;r Sieger und Besiegte. &quot;Es verbietet Armen und Reichen unter Br&uuml;ckenb&ouml;gen zu n&auml;chtigen&quot;(Anatole France). Ein Vertragsbruch L&ouml;st konsequent den jetzt rechtm&auml;&szlig;igen Anspruch neuer Gewalt aus, was die urspr&uuml;ngliche Gewaltsamkeit des Friedens exhumiert.</P>
<P>Die Regierungslinken in den Gr&uuml;nen, die vor dem Kriegskurs l&auml;ngst kapituliert haben, indem sie &quot;irgendeinen Frieden&quot; akzeptieren wollen, nur um nicht weiter in die Doppeldeutigkeit der eigenen Moral und Ideologie getrieben zu werden, sind keine KriegsgegnerInnen. Sie lehnen weder die imperialistischen Kriegsgr&uuml;nde ab, noch die &ouml;konomische und politische Unterwerfung und Neuordnung der &quot;Krisenregion&quot; im Interesse der westlichen Gro&szlig;m&auml;chte Und des nationalen wie transnationalen Kapitals. Die Folgen der nationalen Befreiung aus dem &quot;V&ouml;lkergef&auml;ngnis Jugoslawien&quot; und des Friedens in Slowenien, Kroatien und Bosnien-Herzegowina werden von diesen &quot;Friedenstauben&quot; nicht reflektiert, weil sie die eigene Phraseologie von nationaler Selbstbestimmung, antiserbischem Vorurteil und ziviler internationaler Gemeinschaft ad absurdum f&uuml;hren w&uuml;rde.</P>
<P>Der Krieg demontiert die &quot;Friedenstauben&quot; der Gr&uuml;nen rasanter und radikaler, als es beim Regierungsantritt zu erwarten war. Kein Frieden sondern Feinde: nie stand die jugoslawische Bev&ouml;lkerung geschlossener hinter Milosevic, immens der Verlust politischer und moralischer Autorit&auml;t der westlichen Demokratien, gro&szlig; die Emp&ouml;rung und der Ha&szlig; auf &quot;die NATO&quot; in vielen L&auml;ndern Osteuropas.  Wenn Gr&uuml;ne jetzt als Peacemaker auftreten, der Diplomatie eine Chance geben wollen, ignorieren sie, da&szlig; sie gr&uuml;ndlich diskreditiert sind, und nur unter Zwang Als Verhandlungspartner akzeptiert werden.</P>
<P>Eine Region destabilisieren, zerbomben, und danach einen Stabilit&auml;tspakt und einen Marshallplan fordern, geh&ouml;rt zu den Zynismen der Gr&uuml;nen, die ihnen selbst nicht bewu&szlig;t sind. Nachdem sie die Beine gebrochen haben, bieten sie den Opfern Kr&uuml;cken an.</P>

<P>Mit aufgeblasener Emp&ouml;rung verteidigen Fischer und Scharping stellvertretend f&uuml;r viele ihr quasi &quot;antifaschistisches&quot; Engagement. Von dieser Verpflichtung war vorher in der politischen Auseinandersetzung um Entsch&auml;digung der ZwangsarbeiterInnen durch die deutsche Industrie und Banken, in der sogenannten Walser-Debatte oder dem allt&auml;glichen Kampf gegen NS-Organisationen, rechte deutsche Jugend und Rassismus nichts zu sp&uuml;ren, und wird nachher nichts &uuml;brig sein. In diesem Krieg, der Hitler, die Nazis und Auschwitz exterritorialisiert, k&ouml;nnen der Ex-Jungsozialist und der Ex-Autonome frei von Angst vor Diskriminierung, Ausschlu&szlig; aus der Gemeinschaft und Repression militante Antifaschisten sein. Die aggressiven Impulse sind erstaunlich &quot;authentisch&quot;. Die &quot;antifaschistische&quot; Argumentation vom &quot;V&ouml;lkermord&quot; ist ehrlich &uuml;berzeugt, links zu sein. Die Judenvernichtung, deren Synonym Auschwitz ist, war in den Augen des Nationalsozialismus die Vernichtung des &quot;Anti-Volks&quot;, der Volksfeinde. Die deutsche Vernichtungsmaschinerie selektierte die Juden von &quot;den Deutschen&quot;, obwohl sie Deutsche waren. Die Nazis taten dies in ihrem Selbstverst&auml;ndnis um einen &quot;V&ouml;lkermord&quot; an der arischen Rasse durch die Juden abzuwenden.  Das Gerede vom &quot;V&ouml;lkermord&quot; kann nur v&ouml;lkisch sein, und es kann faschistisch werden: der Einmarsch der Wehrmacht in der Tschechoslowakei und in Polen 1938/39, nach eskalierter antitschechischer und antipolnischer Hysterie im deutschen Reich, legitimierte sich als Schutz bedrohter deutscher Volksgruppen vor dem &quot;V&ouml;lkermord&quot;. Vergleiche mit dem Nationalsozialismus sind nur bedingt tauglich, die Auschwitzanalogie verbietet sich ganz. Der gro&szlig;serbische Nationalismus, der jedoch immer mehr Gebiete seit 1991 aufgeben mu&szlig;te, kann nur mit diesen Vorbehalten mit der NS-Volkstumspolitik <I>inhaltlich </I>verglichen werden (&quot;alle Serben zusammen&quot;). Der v&ouml;lkische Terror im Kosovo und die antialbanische Stimmung in Jugoslawien sind schematisch mit der<I>  Praxis </I>im Reichsprotektorat B&ouml;hmen und M&auml;hren gegen die Tschechen und zugunsten der Deutschen vergleichbar. Da Jugoslawien jedoch nicht nur &uuml;berlegen agiert, sondern in diesem Sezessionskrieg defensiv reagiert, sind zum Beispiel die faschistischen Paramilit&auml;rs eher mit  den nationalistischen Freicorps 1919 zu vergleichen, die eine Abtrennung &quot;kommunistischer Gebiete&quot; wie die bayrische R&auml;terepublik verhinderten.</P>
<P>Der Krieg  der jugoslawischen F&uuml;hrung geht <I>strategisch </I>um die Erhalt eines Staatsgebietes, nicht um die imperialistische Ausdehnung desselben. Der <I>Form nach</I> ist dies aber noch ein Anti-Guerillakrieg (der counterinsurgency), den britische und franz&ouml;sische Milit&auml;rs urspr&uuml;nglich im Krieg gegen antikoloniale Befreiungsbewegungen entwickelten, und insbesondere die USA weltweit im Trikont anwendeten und unterst&uuml;tzten: Die Zerst&ouml;rung der sozialen und &ouml;konomischen Strukturen, Basis jeder Guerilla, durch Vertreibung, Umsiedlung, Pl&uuml;nderung und abschreckenden Terror. </P>

<P>Die falschen historischen Analogien sind Erz&auml;hlungen, die zur moralischen Legitimation der eigenen Entscheidungen dienen, obwohl diese Demonstrationen historischer Erkenntnis und finaler Vernunft rein gar nichts mit den Beweggr&uuml;nden zum Krieg zu tun haben. Aber die gegenw&auml;rtige Unwahrheit wird durch die unwahren Vergleiche der Vergangenheit verdoppelt. Sie beruft sich  auf das schwache historische Ged&auml;chtnis, und die Unf&auml;higkeit etwas anderes als den eigenen Standpunkt wahrzunehmen. Auschwitz h&auml;tte durch die Alliierten nicht durch einen vorzeitigen Krieg verhindert werden k&ouml;nnen, weil 1936 noch niemand etwas von Auschwitz wissen konnte, kein Vergleich in der Geschichte existierte. Die unterstellte &quot;Weichherzigkeit&quot; der Appeasementpolitik Frankreichs und Englands gegen&uuml;ber Hitler hat ganz banale machtpolitische Gr&uuml;nde: Kompromi&szlig;politik geh&ouml;rt zum Inventar imperialistischer Au&szlig;enpolitik, solange gemeinsame Interessen (Handelsbeziehungen, Bollwerk gegen den Bolschewismus) im Vordergrund stehen und ein Ausgleich der Interessensph&auml;ren m&ouml;glich erscheint. Und dies besonders, wenn ein Staat dem anderen milit&auml;risch, &ouml;konomisch und in Bev&ouml;lkerungszahlen nicht gewachsen ist. </P>
<P>In Anbetracht der erdr&uuml;ckenden technologischen, milit&auml;rischen und &ouml;konomischen &Uuml;berlegenheit der NATO-Staaten ist es geradezu eine wahre Freude nicht weichherzig zu sein, und gegen die Hitlers dieser Welt Kriege zu f&uuml;hren. Der zur Schau gestellte Mut der Antifaschisten in Bonn, die allen zeigen, wie man Antifaschismus richtig macht, ist die Selbstgerechtigkeit nationaler Maulhelden, und ein Tritt ins Gesicht derjenigen, die wirklich gegen die nationalsozialistische deutsche Bestie gek&auml;mpft haben, ob in Madrid, Paris, an der Drina oder in Stalingrad, im Warschauer Ghetto oder als PartisanIn in Griechenland. </P>

<P>Der Angelpunkt dieses &quot;antifaschistischen&quot; Diskurses ist die Selbstrepr&auml;sentation als charakterfester, prinzipientreuer Mensch. Er war gutm&uuml;tig und wohlwollend, idealistisch und gro&szlig;z&uuml;gig, ist aber durch seine Erfahrungen und Erkenntnisse ein anderer geworden. Die brutale Realit&auml;t zwingt ihn, unbarmherzig, kompromi&szlig;los und gewaltt&auml;tig zu sein. Dieselbe Diskursfigur benutzt der Rassist, der sein Gewordensein und Vorurteil als Erfahrungs &#150;und Erkenntnisproze&szlig; darstellt, urspr&uuml;nglich ein Menschenfreund, der jetzt aber zu jeder notwendigen Ma&szlig;nahme bereit ist. Sie sind nat&uuml;rlich betrogene und entt&auml;uschte Opfer, wie abgewiesene Liebhaber, die in ihrer Eifersucht der Angebeteten nur jede B&ouml;sartigkeit unterstellen k&ouml;nnen, niemals aber einen rationalen, selbstverst&auml;ndlichen Grund.</P>
<P>Die Allt&auml;glichkeit dieses Opferdiskurses der potentiellen T&auml;terInnen bewirkt die Eing&auml;ngigkeit und leichte &Uuml;bernahme der Argumentationen der Kriegsbef&uuml;rworterInnen. Sie erm&auml;chtigt zu dominanten Handlungsstrategien und Definitionsmacht, sobald die Rede &ouml;ffentlich legitimiert wird. Die Herstellung &quot;verlorener&quot; Macht, Dominanz, Kontrolle und Verf&uuml;gungsgewalt, die in der m&ouml;glichen Autonomie und Individualit&auml;t des Gegners sich bedroht sieht, ist das Ziel. Und nicht etwa Gerechtigkeit oder andere Prinzipien. Jugoslawien war Fischer und Scharping schon immer gleichg&uuml;ltig.</P>

<P>Wenn die Gr&uuml;nen 1999 einen Bruch des antifaschistischen Prinzips &quot;Nie wieder Krieg&quot; bef&uuml;rworten, um das Prinzip &quot;Nie wieder Auschwitz&quot; einzuhalten, w&auml;re es dann nicht logisch, wenn sie 2002 bereit sind "Auschwitz" zu bef&uuml;rworten, um einen B&uuml;rgerkrieg zu verhindern? Die felsenfeste Prinzipientreue entpuppt sich als restlose Prinzipienlosigkeit im Konkreten. Das  Fallenlassen von Prinzipien ist nur ein Euphemismus derjenigen, die nie welche hatten. Die Sozialdemokratie hatte beim Ausbruch des 1.Weltkriegs &auml;hnlich prinzipielle Probleme, mit der Neuauslegung der Lehrs&auml;tze ihre eigene Kapitulation zu kaschieren. Kautsky, der Theoretiker der deutschen Sozialdemokratie, versuchte es, und zog sich den Spott Rosa Luxemburgs zu: &quot;Im Frieden gelten im Innern jedes Landes der Klassenkampf, nach au&szlig;en die internationale Solidarit&auml;t; im Kriege gelten im Innern die Klassensolidarit&auml;t, nach au&szlig;en der Kampf zwischen den Arbeitern verschiedener L&auml;nder. Der welthistorische Appell des Kommunistischen Manifests erf&auml;hrt eine wesentliche Erg&auml;nzung und lautet nun nach Kautskys Korrektur: &quot;Proletarier aller L&auml;nder, vereinigt euch im Frieden, und schneidet euch die Gurgel ab im Kriege!&quot; </P>

<P>F&uuml;r die Gr&uuml;nen ist der erste Angriffskrieg, an dem Deutschland seit 1945 direkt mit Soldaten beteiligt ist, so einschneidend , wie es der 4.August 1914 f&uuml;r die Sozialdemokratie war. In ihrem ersten Artikel sprach Rosa Luxemburg davon, da&szlig; die Sozialdemokratie abgedankt habe, weil sie nur noch die nationalen und imperialistischen Interessen ihrer jeweiligen Bourgeoisie vertreten k&ouml;nne. Trotzdem hat die SPD diese ideologische und politische Krise &uuml;berstehen k&ouml;nnen, die KriegsgegnerInnen waren eine kleine Minderheit. Da&szlig; sich die Gr&uuml;nen mit der Kriegsbeteiligung ihre eigene Todesurkunde ausgestellt h&auml;tten, die Partei &uuml;berfl&uuml;ssig geworden sei, diese unter Linksradikalen verbreitete These ist verfr&uuml;ht.  Der kulturelle und soziale R&uuml;ckhalt der Gr&uuml;nen ist  zwar nicht mit der Basis der SPD in Gewerkschaften und ArbeiterInnenbewegung  1914 vergleichbar, f&uuml;r die Gr&uuml;nen kann es bei Wahlen knapper werden.  &quot;Rot-gr&uuml;n&quot; ist die Legierung einer Str&ouml;mungsideologie, die ihre Protagonisten  als Erben von 1968, modernes Weltb&uuml;rgertum und durch Selbstbewu&szlig;tsein geadelte Generation an der Macht auszeichnet. Ob diese Str&ouml;mung ausreicht, um die Gr&uuml;nen <I>als Partei</I> zu erhalten, ist tats&auml;chlich offen. Was w&auml;re wenn sich eine Mehrheit auf dem Hagener Parteitag mit einem "Nein" zum Kriegskurs querstellt, die rot-gr&uuml;ne Koalition riskiert, in der sie nur dem&uuml;tigende Niederlagen (Atomausstieg, Staatsb&uuml;rgerschaftsrecht) erlitten hat ?  Was w&auml;re ,wenn eine Mehrheit Programmdisziplin &uuml;ben w&uuml;rde statt der geforderten Regierungsparteidisziplin?</P>

<P>Autonome und radikale Linke vor einem Bundesparteitag der Gr&uuml;nen, wer h&auml;tte das vor einem Jahr vermutet? Selbst f&uuml;r gro&szlig;z&uuml;gige Linke ist diese Partei seit zehn Jahren kein emanzipatorisches Projekt mehr, gibt es keine einflu&szlig;reiche linke, feministische oder internationalistische Opposition innerhalb der Gr&uuml;nen. 1999 am Himmelfahrtstag in Hagen zu demonstrieren, kann nur einen Sinn haben: radikal die rot-gr&uuml;ne <I>Kriegs- und Friedenspolitik</I> zu demontieren. Ob die &quot;Kritik der Stra&szlig;e&quot; den Parteitag beeinflu&szlig;t, ist ungewi&szlig;. Denn die Wirklichkeit ist manchmal spannender als erwartet, oder schlimmer als bef&uuml;rchtet.</P>

<P>Viktor Stein, April 99</P>

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