<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//DE">
<html>
<head>
	<title>Kein FriedeN mit der NATO - Jungle World Dossier - 14/4/99</title>
	<!--#include virtual="meta.inc" -->
	<link rel="STYLESHEET" type="text/css" href="xy.css">
</head>
<body bgcolor="#FAD59C" text="#000000">

<table border="0" width="80%" height="100%" align="center">
<a href="top"></a>
<tr>
	<td><a href="http://www.jungle-world.com"><img src="../images/jungle.gif" width=320 height=87 border=0 title="www.jungle-world.com" alt=""></a><b>Dossier</b></td>
</tr>

<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
	<td><h2>Krach im Hinterhof</h2>
	<b>F&uuml;hrt der deutsche Sonderweg immer noch schnurstracks von 1914 &uuml;ber 1941 bis nach 1999? Hat Deutschland die Nato und damit die USA in den Krieg hineingetrieben?<br>
	Oder wollen die USA, mit dem Krieg gegen Jugoslawien ihre imperiale F&uuml;hrungsrolle zur&uuml;ckgewinnen?<br>
	Die dier dokumentierten Beitr&auml;ge der antinationalen Linken versuchen zu kl&auml;ren, ob dieser Krieg auch eine Z&auml;sur f&uuml;r die eigene historische und politische Analyse bedeutet.</b></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
	<td><ul>
		<li><a href="#weiter"><font size="+1">Weiter wie bisher?</font></a><br>
		Die Initiatoren des Krieges gegen Jugoslawien sitzen in Bonn, nicht in Washington.<br>
		Von Matthias K&uuml;ntzel
		<li><a href="#devide"><font size="+1">Devide et impera!</font></a><br>
		Deutschlands milit&auml;rische Beteiligung an der Aggression der Nato ist due kosequente Fortsetzung seiner Politik gegen Jugoslawien<br>
		Von Klaus Th&ouml;rner
		<li><a href="#eine"><font size="+1">Eine endliche Geschichte</font></a><br>
		Von Klaus Th&ouml;rner
		<li><a href="#good"><font size="+1">Good bye, America!</font></a><br>
		Durch eine Schw&auml;chung der Nato k&ouml;nnte Deutschland wieder zur dominierenden Macht in Europa werden.
		Von Thomas Becker
	
	</ul></td>
</tr>

<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
	<td><hr></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td COLSPAN="2">
<h1>
<font face="verdana, arial,helvetica"><a name="weiter">Weiter wie bisher?</a></font></h1>
<b><font face="verdana,"><font size=-1>Die Initiatoren des Krieges gegen
Jugoslawien sitzen in Bonn, nicht in Washington.</font></font></b>
<br><font face="verdana,"><font size=-1>Von Matthias K&uuml;ntzel</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Der Krieg gegen Jugoslawien eskaliert.
Unter dem Vorwand der "Fl&uuml;chtlingshilfe" werden Bodeneins&auml;tze
vorbereitet. Immer konkreter zeichnet sich die Gefahr eines langandauernden
und die Provinzgrenzen des Kosovo weit &uuml;berschreitenden Eroberungskrieges
ab. Dieser worst case wird die 1989 geschaffene Konstellation der Weltpolitik
&uuml;ber den Haufen werfen. Mehr noch als der Fall der Mauer ist er eine
Z&auml;sur, die auch der antinationalen Linken ein "weiter wie bisher"
nicht erlaubt, sondern sie mit neuen analytischen und politischen Herausforderungen
konfrontiert.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Warum wird Jugoslawien kaputtgebombt?
Die deutsche Interessenlage ist noch am leichtesten zu beantworten: Dieser
Krieg ist die Fortsetzung der deutschen Jugoslawien-Politik mit anderen
Mitteln, und diese ist stets einem Sonderweg gefolgt. W&auml;hrend die
anderen Nato-M&auml;chte &uuml;ber Jahre hinweg die territoriale Integrit&auml;t
eines multiethnischen Jugoslawien zu verteidigen und den auf die Region
ausstrahlenden Konflikt zwischen Serben und Kosovo-Albanern zu d&auml;mpfen
suchten, indem sie nicht nur Druck auf Belgrad, sondern auch auf die UCK
aus&uuml;bten, setzte die deutsche Bundesregierung entlang ihrer v&ouml;lkisch
ausgerichteten Destabilisierungspolitik von Anfang an auf Eskalation. Die
Verhandlungspolitik "des Westens" wurde unterminiert und bek&auml;mpft,
und als eine "Fehleinsch&auml;tzung der Situation, die auf europ&auml;ischen
Vorstellungen von zivilem Dialog und Konsens-Kultur gr&uuml;ndet", kritisiert
- etwa von der FAZ am 11. M&auml;rz 1998.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Aus diesem Grund lehnte im Mai 1998
Bonn die Unterbindung des Waffentransfers von Albanien zur UCK ab, da eine
derartige Ma&szlig;nahme darauf hinauslaufe, "das serbische Unterdr&uuml;ckersystem
gegen die Kosovo-Albaner zu unterst&uuml;tzen" (FAZ, 28. Mai 1998). Als
erste und damals einzige Macht forderte Deutschland (genauer: Volker R&uuml;he
und Joseph Fischer; Au&szlig;enminister Kinkel hatte sich distanziert)
im Juni 1998 den Nato-Milit&auml;rschlag gegen Milosevic. "R&uuml;hes forsches
Verlangen sorgte f&uuml;r erhebliche au&szlig;enpolitische Verwirrung",
berichtete der Spiegel: "Ausgerechnet die Deutschen preschen in dieser
heiklen Frage vor, monierten mehrere Amtskollegen Kinkels in der Au&szlig;enministerrunde
beim EU-Gipfel in Cardiff." (Nr. 26/98). In der FAZ wurde am 26. September
1998 dieses Vorpreschen hingegen ausdr&uuml;cklich gelobt. Die Bundesregierung
habe "f&uuml;r ein beherztes Eingreifen pl&auml;diert, als Washington seinen
Balkan-Radar abgeschaltet hatte". Damit habe Deutschland "B&uuml;ndnisf&auml;higkeit
und, dagegen ist nichts einzuwenden, seinen F&uuml;hrungswillen bewiesen."</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>F&uuml;r die Umsetzung dieses F&uuml;hrungswillens
erwies es sich als vorteilhaft, da&szlig; dem mit Abstand wichtigsten Posten
im Nato-Apparat, dem Nato-Milit&auml;rausschu&szlig;, der ehemalige Generalinspekteur
der Bundeswehr, Klaus Naumann, vorsa&szlig;. Eben dieses Gremium wurde
im Juni 1998 mit der Ausarbeitung von Einsatzm&ouml;glichkeiten beauftragt,
die die Gewaltanwendung beider Konfliktparteien beenden sollten. "Allzu
w&ouml;rtlich haben die Planer ihren Auftrag aber offenbar nicht genommen",
analysierte sp&auml;ter der Leiter des Hamburger Instituts f&uuml;r Friedensforschung,
Reinhard Mutz: "Denn die Eins&auml;tze, die sie vorschlagen, (&Ouml;) w&auml;ren
einseitig gegen einen der beiden Kontrahenten gerichtet. (&Ouml;) Die Kontrolle
der albanischen Grenze fehlt bezeichnenderweise im Katalog der Nato-Optionen.
Minister R&uuml;he hatte sie schon im Vorfeld f&uuml;r politisch unerw&uuml;nscht
erkl&auml;rt." (Streitkr&auml;fte und Strategien, 8. August 1998)</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Die Naumann-Vorschl&auml;ge liefen
entweder auf die Stationierung von 53 000 Nato-Soldaten zur "Friedenssicherung"
im Kosovo oder auf den Einsatz von 200 000 Nato-Soldaten im Bodenkrieg
hinaus. W&auml;hrend General Naumann offen f&uuml;r den Bodenkrieg Partei
ergriff, wurde der Einsatz dieser Truppen von anderen Nato-Staaten hinter
verschlossenen T&uuml;ren in Frage gestellt: "Hinter den martialischen
Kulissen jedenfalls w&uuml;hlt ein international besetzter Chor schon wieder
nach den Noten f&uuml;r das Hohelied auf Gewaltverzicht und friedliche
Einigung", mokierte sich Constanze Stelzenm&uuml;ller in der Zeit (8. Oktober
1998).</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Im Gegensatz zur deutschen Position
standen in der Tat Frankreich und Gro&szlig;britannien der Bombardierung
Belgrads selbst noch drei Wochen vor Kriegsbeginn h&ouml;chst skeptisch
gegen&uuml;ber. Dies geht aus einem Kommentar von Josef Fitchett hervor,
der es als "unwahrscheinlich" bezeichnete, "da&szlig; die Nato von den
europ&auml;ischen Regierungen eine Zustimmung f&uuml;r Luftschl&auml;ge
erhalten" werde. Offiziell h&auml;tten sich zwar "London und sogar auch
Paris" hinter die Kriegsoption gestellt. Sie h&auml;tten damit aber lediglich
"einen &ouml;ffentlichen Streit mit Washington &uuml;ber ein theoretisches
Problem vermeiden wollen, dessen Umsetzung in die Praxis sie ohnehin nicht
erwarteten" (International Herald Tribune, 5. M&auml;rz 1999).</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Unausgesprochen oder ausgesprochen
lief die deutsche Orientierung darauf hinaus, den Willen der Serben mit
Gewalt zu brechen, um entweder die Unabh&auml;ngigkeit des Kosovo oder
aber die Errichtung eines Protektorats der Westm&auml;chte im Kosovo durchzusetzen.
Von dieser Warte aus betrachtet kann der bisherige Verlauf des Nato-Krieges
nicht als ein Debakel, sondern nur als ein Erfolg bewertet werden.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Warum aber haben sich die historischen
Gegenspieler der deutschen Ambition, Frankreich, Gro&szlig;britannien und
die USA, der von Naumann gezeichneten Linie seit Januar 1999 schrittweise
angeschlossen? Und warum haben sich die USA an die Spitze eines Prozesses
gestellt, der unausweichlich den Bodenkrieg und die unumkehrbare Abspaltung
des Kosovo zur Folge haben wird?</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>In diesem Krieg geht es nicht allein
um die Frage der Sezession. Die Schlachtfelder des Kosovo sind zugleich
das Kampffeld f&uuml;r die Austragung von innerimperialistischen Konflikten.
Der Kampf um die Neuverteilung von Einflu&szlig; und Macht tritt mit dem
Krieg gegen Jugoslawien in eine neue Runde ein. &Uuml;bergreifend geht
es der Nato und insbesondere den USA darum, die russische Position in Ost-
und S&uuml;dosteuropa weiter zur&uuml;ckzudr&auml;ngen und die eigene Machtstellung
in der gesamten Region zu erh&ouml;hen. Nato-Ost-Erweiterung und Kosovo-Krieg
sind insofern miteinander verkn&uuml;pft.&nbsp;</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Gleichzeitig spitzen sich hinter
den Kulissen der Nato die Widerspr&uuml;che zwischen den Gro&szlig;m&auml;chten
zu. Dies beleuchtet beispielhaft ein Kommentar der IHT vom 23. Februar
1999: "Der bekannte Spruch aus den Vierzigern besagt, da&szlig; der Zweck
der Nato darin bestand, die Amerikaner drinnen, die Russen drau&szlig;en
und die Deutschen unten zu halten. Es liegt in der Natur der heutigen Verh&auml;ltnisse,
da&szlig; der letzte Zweck weiterlebt, sofern man 'Deutschland' mit 'Europ&auml;ische
Union' &uuml;bersetzt. Angesichts der Tatsache, da&szlig; die EU auf dem
Sektor der &Ouml;konomie und des Handels immer h&auml;rter und wettbewerbsbetonter
auftritt", hei&szlig;t es weiter, "liefert die andauernde Vorherrschaft
der USA auf dem Feld der europ&auml;ischen Sicherheit ein n&uuml;tzliches
Gegengewicht. (&Ouml;) Die derzeitigen Unstimmigkeiten &uuml;ber die neue
Auftragsdefinition der Nato sind der unausgesprochene und erstaunlich diskret
behandelte Ausdruck dieser neuen Konkurrenzbeziehung zwischen Westeuropa
und den USA."</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Wollten die USA mit der &Uuml;bernahme
der F&uuml;hrung im Kosovo-Krieg und der Kontrolle seiner von Deutschland
ausgel&ouml;sten Dynamik die Europ&auml;ische Union bzw. deren deutsche
Vormacht "unten halten"? Hatten die USA im Vorfeld der Bombardierung das
Risiko des Angriffs auf Jugoslawien geringer bewertet als das Risiko einer
Glaubw&uuml;rdigkeitskrise der Nato, die zu deren Auseinanderfallens f&uuml;hren
k&ouml;nnte?&nbsp;</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Wie dem auch sei: Aus der Sicht
der USA, deren Interesse an einer Erhaltung der jugoslawischen Integrit&auml;t
schemenhaft zumindest auch in der Phase der Rambouillet-Verhandlungen noch
zu erkennen war, kann der bisherige Verlauf des Nato-Krieges nicht als
ein Erfolg, sondern nur als ein Debakel bewertet werden. Ironischerweise
k&ouml;nnte es gerade die Aktivierung der Nato f&uuml;r diesen Krieg sein,
die der von Deutschland nicht nur geliebten Allianz den Garaus macht.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>W&auml;hrend die USA auf den ersten
Blick bei den Angriffen auf Jugoslawien der Hauptkriegstreiber zu sein
scheint, macht die genauere Analyse deutlich, da&szlig; die Initiatoren
der derzeitigen Zerschlagung Jugoslawiens nicht in Washington, sondern
in Bonn oder Berlin zu finden sind. W&auml;hrend die USA ihre nationalen
Interessen ebenso n&uuml;chtern wie brutal und insofern berechenbar formulieren,
wird die deutsche Kriegs- und Interessenpolitik von ideologischen Pr&auml;missen
getrieben, die sie weitaus unberechenbarer macht. Hier zu z&auml;hlt die
v&ouml;lkische, den multiethnischen Staat a priori ablehnende Ideologie
sowie die wahnhafte Projektion von "KZ"- und "Auschwitz"-Phantasien auf
den serbischen Widersacher. Diese wirkungsm&auml;chtigen Differenzen zu
betonen, hat mit einer Parteinahme f&uuml;r die Politik der USA als angeblich
kleinerem &Uuml;bel nichts zu tun. Diese verbietet sich in diesem Krieg
von selbst.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Ebenso verkehrt ist allerdings die
Parteinahme f&uuml;r jene "deutschen Kriegsgegner", die Deutschland als
opportunistischen Mitl&auml;ufer oder gar Opfer des Kosovo-Krieges stilisieren,
um ihren Nationalismus erneut antiamerikanisch ausagieren zu k&ouml;nnen.
Zwischen der Losung "Hauptfeind USA!" und der Carl Schmitt-Parole vom "Interventionsverbot
f&uuml;r raumfremde M&auml;chte" liegt in diesem Land nur ein Schritt.</font></font></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr align="right">
	<td><a href="#top">nach oben</a></td>
</tr>

<tr>
	<td><hr></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<td COLSPAN="2">
<h1>
<font face="verdana, arial,helvetica"><a name="devide">Divide et impera!</a></font></h1>
<b><font face="verdana,"><font size=-1>Deutschlands milit&auml;rische Beteiligung
an der Aggression der Nato ist die konsequente Fortsetzung seiner Politik
gegen Jugoslawien.&nbsp;</font></font></b>
<br><font face="verdana,"><font size=-1>Von Klaus Th&ouml;rner</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>"Ganz S&uuml;dosteuropa" ist unser
Hinterland, so lautet das deutsche Credo, seit es der "Vater der deutschen
National&ouml;konomie" Friedrich List 1842 formulierte. Die Balkanhalbinsel
sollte zum hegemonialen deutschen Einflu&szlig;gebiet und zur Br&uuml;cke
in den Nahen Osten werden. Aus den s&uuml;dosteurop&auml;ischen Erg&auml;nzungsr&auml;umen
sollten Rohstoffe, Agrarprodukte und nach Bedarf billige Arbeitskr&auml;fte
in das Deutsche Reich geliefert werden.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Diese Zielsetzung wurde von Anfang
an mit dem Anspruch verbunden, der angeblich "geschichtslosen", "barbarischen"
und zur eigenen Staatenbildung und -organisation unf&auml;higen Bev&ouml;lkerung
S&uuml;dosteuropas die deutsche Zivilisation zu bringen. Um sich ihr "Hinterland"
zu sichern, versuchten deutsches Kapital und deutsche Politik von vorneherein,
gro&szlig;e, selbst&auml;ndige Nationalstaaten in S&uuml;dosteuropa zu
verhindern. Gleichzeitig war man in Deutschland vehement daran interessiert,
den russischen Einflu&szlig; in S&uuml;dosteuropa zur&uuml;ckzudr&auml;ngen.
1875/76 erschienen die deutsch-&ouml;sterreichischen Expansionsbestrebungen
erstmals bedroht. Ein Aufstand in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro
entwickelte sich zu einem Krieg mit dem Osmanischen Reich, in dem die Aufst&auml;ndischen
Unterst&uuml;tzung von Ru&szlig;land erhielten. Zur Sicherung der deutsch-&ouml;sterreichischen
Interessen wurde in dieser Phase in einem Milit&auml;rgutachten erstmals
die bis heute g&uuml;ltige Direktive der deutschen Politik ausgegeben.
Es gehe darum, "uns der griechischen, albanischen (&Ouml;) und mohammedanischen
Elemente zu unserem Vorteil zu bedienen und diese St&auml;mme gegen die
s&uuml;dslawischen auszuspielen". Die Adriak&uuml;ste und ihr Hinterland
m&uuml;sse von der "serbischen Hand" unber&uuml;hrt bleiben.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Auf der dem Krieg folgenden Berliner
Konferenz von 1878 unter F&uuml;hrung Bismarcks wurden die Grenzen S&uuml;dosteuropas
neu bestimmt. Serbien, Montenegro, Rum&auml;nien und Bulgarien wurden zu
kleinen, scheinselbst&auml;ndigen Staaten erkl&auml;rt, die von Beginn
an in starke wirtschaftspolitische Abh&auml;ngigkeit gegen&uuml;ber Deutschland
und seinem Juniorpartner &Ouml;sterreich-Ungarn gerieten. Bosnien-Herzegowina
wurde zum milit&auml;risch besetzten &ouml;sterreichischen Protektorat,
w&auml;hrend Albanien, das Kosovo und Mazedonien vorerst im Osmanischen
Reich verblieben.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Damit hatten die Regierungen in
Berlin und Wien einen gro&szlig;en, wirtschaftlich und politisch starken
Staat in S&uuml;dosteuropa verhindert. &Auml;hnlich verlief die Entwicklung
nach dem ersten Balkankrieg von 1912. Damals k&auml;mpfte ein Balkanbund
mit Griechenland, Bulgarien, Serbien, Montenegro und Rum&auml;nien mit
Unterst&uuml;tzung Ru&szlig;lands erfolgreich gegen das Osmanische Reich.
Die B&uuml;ndnisstaaten hatten sich f&uuml;r den Fall eines Sieges untereinander
auf die territoriale Verteilung der Gebiete Albaniens, des Kosovo und Mazedoniens
geeinigt. Serbien sollte das Kosovo und Teile Albaniens erhalten.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Doch entschieden wurde die neue
Raumordnung wiederum auf einer Konferenz der Gro&szlig;m&auml;chte, in
diesem Fall in London. Deutschland und &Ouml;sterreich-Ungarn verfolgten
hier das Ziel, einen gro&szlig;en serbischen Staat zu verhindern und Serbien
und Ru&szlig;land einen Zugang zur Adria zu verwehren. Der &ouml;sterreichische
Generalstabschef forderte die unbedingte Verhinderung einer Machterweiterung
Serbiens und Montenegros, "die Einbeziehung derselben in unsere Machtsph&auml;re"
und die Besitznahme des Gebietes des Kosovo. Auf deutsch-&ouml;sterreichische
Initiative wurde auf der Londoner Konferenz die Gr&uuml;ndung des Staates
Albanien deklariert. Der deutsche Kanzler nannte ihn den "albanischen Pufferstaat".
Zum Herrscher Albaniens wurde ein deutscher Prinz ernannt. Wie in Deutschland
&uuml;ber den neuen albanischen Staat gedacht wurde, geht aus einer zeitgen&ouml;ssischen
Brosch&uuml;re hervor, in der es hei&szlig;t, da&szlig; "ein selbst&auml;ndiges
Albanien nicht einmal die Bedeutung des kleinsten Balkanstaates erringen"
k&ouml;nne. "Unter allen Balkanv&ouml;lkern stehen die Albanesen auf der
niedrigsten Kulturstufe und sie haben das absolute Bed&uuml;rfnis, gef&uuml;hrt
zu werden".</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Als Zugest&auml;ndnis an Serbien
und Ru&szlig;land setzten die Regierungen Gro&szlig;britanniens und Frankreichs
auf der Londoner Konferenz jedoch durch, da&szlig; das Kosovo dem serbischen
Staat zugesprochen wurde. Die Machterweiterung Serbiens nach dem ersten
Balkankrieg wurde in Deutschland als Behinderung eigener wirtschaftlicher
und strategischer Interessen in S&uuml;dosteuropa ausgelegt. Man bereitete
sich nun durch eine gro&szlig;e Heeresvorlage auf einen deutsch-&ouml;sterreichischen
Krieg gegen Serbien vor und machte sich Gedanken &uuml;ber die Konstruktion
einer Provokation, um auch die Sozialdemokratie zur Bewilligung der Kriegskredite
zu bewegen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Mit dem Attentat auf den &ouml;sterreichischen
Thronfolger in Sarajevo war dieser Vorwand im Juni 1914 gegeben. Nur wenige
Tage sp&auml;ter gab der deutsche Kaiser die Parole aus: "Jetzt oder nie
(&Ouml;). Mit den Serben mu&szlig; aufger&auml;umt werden und zwar bald."
Man m&uuml;sse "feste auf die F&uuml;&szlig;e des Gesindels treten (&Ouml;).
Es ist kein Staat im europ&auml;ischen Sinne, sondern eine R&auml;uberbande."
Bereits Monate vorher hatte er erkl&auml;rt: "Bei den Slawen mu&szlig;
per divide et impera vorgegangen werden." Die "Slawen seien nicht zum Herrschen
geboren, sondern zum Dienen", dies m&uuml;sse "ihnen beigebracht werden".
Wenn sich die serbische Regierung nicht beuge, "so wird Belgrad bombardiert
und solange okkupiert, bis der Wille Seiner Majest&auml;t erf&uuml;llt
ist". Nach einem 48st&uuml;ndigen Ultimatum zogen deutsche Soldaten, derma&szlig;en
eingestimmt, in den Krieg gegen Serbien.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Auf anderen Kriegsschaupl&auml;tzen
konnten die deutschen Milit&auml;rs, wie wir wissen, weniger gro&szlig;e
Erfolge verbuchen. Um sich das "Hinterland" Ost- und S&uuml;dosteuropa
dennoch &uuml;ber den Krieg hinaus zu sichern, wurde in deutschen Regierungskreisen
Anfang 1918 eine neue Legitimationsideologie entwickelt, der "Ethische
Imperialismus" bzw. die "Moralische Eroberungspolitik". Der sp&auml;tere
Kanzler Max von Baden pr&auml;sentierte sie in einer Denkschrift. Darin
hei&szlig;t es u.a.: "Eine so ungeheure Kraft, wie wir sie in diesem Kriege
entfaltet haben, mu&szlig; sich vor der Welt ethisch begr&uuml;nden, will
sie ertragen werden. Darum m&uuml;ssen wir allgemeine Menschheitsziele
in unseren nationalen Willen aufnehmen ( &Ouml;). Kolonisieren hei&szlig;t
Missionieren." Dieses Konzept sei notwendig, um die Anerkennung der deutschen
Vormachtstellung "im Osten und in Mitteleuropa" zu erreichen. Verbunden
wurde das Konzept des "Ethischen Imperialismus" mit der Parole vom "Selbstbestimmungsrecht
der V&ouml;lker".</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Die deutsche Regierung erkl&auml;rte
sich auf dieser fragw&uuml;rdigen Grundlage zum Anwalt der angeblich von
Ru&szlig;land unterdr&uuml;ckten Nationen Ost- und S&uuml;dosteuropas.
Unmittelbar nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg konnten sich die Deutschen
mit ihrem v&ouml;lkischen Konzept f&uuml;r ihre Einflu&szlig;zone Ost-
und S&uuml;dosteuropa nicht durchsetzen. Mit der Gr&uuml;ndung der multinationalen
Staaten Tschechoslowakei, der Sowjetunion und nicht zuletzt Jugoslawien
wurden dem deutschen Expansionismus zun&auml;chst Riegel vorgeschoben.
Die Ideologie des "Ethischen Imperialismus" und des "Selbstbestimmungsrechts
der V&ouml;lker", die im deutschen Bewu&szlig;tsein immer &uuml;ber dem
Prinzip der territorialen Integrit&auml;t eines Staates steht, lebte jedoch
fort.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Im Mai 1940 erl&auml;uterte Heinrich
Himmler einen wesentlichen Grundsatz der deutschen Ost- und S&uuml;dosteuropapolitik,
der mit der Zerst&ouml;rung der Tschechoslowakei 1938/39 erstmals in die
Praxis umgesetzt worden war: "Bei der Behandlung der Fremdv&ouml;lkischen
im Osten m&uuml;ssen wir darauf sehen, so viel wie m&ouml;glich einzelne
V&ouml;lkerschaften anzuerkennen (&Ouml;). Ich will damit sagen, da&szlig;
wir nicht nur das gr&ouml;&szlig;te Interesse daran haben, die Bev&ouml;lkerung
des Ostens nicht zu einen, sondern im Gegenteil in m&ouml;glichst viele
Teile und Splitter zu zergliedern."</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Als die jugoslawische Regierung
sich Anfang April 1941 nach Massendemonstrationen in Belgrad weigerte,
sich der deutschen Kriegsmaschinerie politisch unterzuordnen, wurde in
der deutschen &Ouml;ffentlichkeit das alte Feindbild von den "Serben" als
"Attent&auml;tern, Verschw&ouml;rern, Putschisten und Weltbrandstiftern"
wiederbelebt.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Am 6. April 1941 begann der deutsche
"Blitzkrieg" gegen Jugoslawien mit Bomben auf Belgrad. Nach der Kapitulation
der jugoslawischen Armee wurde nach der Himmlerschen Direktive der Zergliederung
verfahren. Serbien mit den lukrativen Erzminen im Norden des Kosovo wurde
unter deutsche Milit&auml;rverwaltung gestellt. Mit dem kroatischen Ustascha-Staat
unter Einschlu&szlig; Bosnien-Herzegowinas wurde ein deutscher Vasallenstaat
geschaffen. Slowenien wurde zwischen Deutschland und Italien geteilt, Montenegro
wurde ein italienischer Satellitenstaat und Mazedonien fiel an das mit
Deutschland verb&uuml;ndete Bulgarien. Der s&uuml;dliche Teil des Kosovo
wurde Albanien angeschlossen und stand damit unter italienischem Protektorat.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Nachdem Italien 1943 die Waffenpartnerschaft
mit Deutschland aufk&uuml;ndigte, wurde Gro&szlig;albanien durch die deutsche
Wehrmacht besetzt. Formell erhielt es nach deutscher Diktion den Status
einer "relativen Souver&auml;nit&auml;t". Politiker aus dem Kosovo wurden
zum Ministerpr&auml;sidenten und Innenminister ernannt. Zur Bek&auml;mpfung
der jugoslawischen Partisanen rekrutierte Himmler 1944 in Gro&szlig;albanien
die Waffen-SS-Gebirgsdivision "Skander Beg". Standort der Division war
Prizren im Kosovo. S&uuml;dosteuropa war f&uuml;r die deutsche Kriegswirtschaft
eine wichtige Basis f&uuml;r Rohstoffe und Agrarprodukte. An einer Industrialisierung
der Balkanstaaten war man dagegen nicht interessiert. Statt dessen strebte
man danach, die w&auml;hrend der zwanziger und drei&szlig;iger Jahre geschaffenen
bescheidenen Ans&auml;tze einer eigenst&auml;ndigen s&uuml;dosteurop&auml;ischen
Industrie wieder zu beseitigen. Die nach 1989 in Jugoslawien durch Schuldenkrise,
Zersplitterung des Staates und Krieg einsetzende Deindustrialisierung entspricht
den alten deutschen Pl&auml;nen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Nach 1945 wurde das Kosovo im Verbund
mit Serbien Teil der Sozialistischen F&ouml;derativen Republik Jugoslawien.
Um m&ouml;gliche Konflikte zwischen Serben und Albanern zu vermeiden, plante
die Regierung unter Tito seit 1946 eine Balkanf&ouml;deration mit Albanien,
Bulgarien, Rum&auml;nien, Ungarn und, wenn m&ouml;glich, Griechenland.
Auf diese Weise w&auml;ren die Konfliktherde Kosovo und Mazedonien beseitigt
gewesen. Doch Stalin sah in diesen Pl&auml;nen eine Bedrohung der sowjetischen
Hegemonie im Ostblock. Mit dem Ausschlu&szlig; Jugoslawiens aus dem Kominform
1948 war dieses Thema erledigt. Nun versuchte die jugoslawische Regierung,
das Problem Kosovo mit wirtschaftlichen Mitteln zu l&ouml;sen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Als Erbe der Zeit vor 1918 gab es
in Jugoslawien ein drastisches &ouml;konomisches Nord-S&uuml;d-Gef&auml;lle.
W&auml;hrend Slowenien und Kroatien in der Habsburger Zeit teilindustrialisiert
worden waren, blieb im S&uuml;den Jugoslawiens bis weit ins 20. Jahrhundert
hinein die agrarische Subsistenzwirtschaft pr&auml;gend. Um eine Angleichung
im Lebensstandard der jugoslawischen Bev&ouml;lkerung zu erreichen, konzentrierte
die Regierung ihre Investitionen anfangs stark auf den S&uuml;den des Landes.
In den sechziger Jahren wurde dar&uuml;ber hinaus ein Bundesentwicklungsfonds
eingerichtet (vergleichbar mit dem deutschen L&auml;nderfinanzausgleich),
in den die wirtschaftlich potenteren Republiken Slowenien und Kroatien
einen Teil ihrer Einnahmen einzahlten. 65 Prozent der Mittel dieses Fonds
flossen in das Kosovo.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Doch zur Finanzierung der nachholenden
Industrialisierung nahm die Regierung in Belgrad in den sechziger und siebziger
Jahren mehr und mehr Auslandskredite auf. Sie konzentrierte ihre Investitionspolitik
zunehmend auf die F&ouml;rderung der Exportindustrien in Slowenien und
Kroatien, um die Devisenreserven zu vergr&ouml;&szlig;ern. Eine Wirtschaftskrise
Mitte der sechziger Jahre konnte jedoch nicht verhindert werden. In ihrer
Folge kam es zu den ersten separatistischen Kundgebungen in Kroatien und
im Kosovo.&nbsp;</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>In den siebziger Jahren beruhigte
sich die Lage noch einmal. Durch zahlreiche g&uuml;nstige Kredite, die
Jugoslawien auf den internationalen Finanzm&auml;rkten erwarb, stieg der
Lebensstandard der Bev&ouml;lkerung. Mit der Verfassung von 1974 erhielten
die einzelnen Republiken eine gr&ouml;&szlig;ere &ouml;konomische Eigenst&auml;ndigkeit.
Das Kosovo wurde zum autonomen Gebiet erkl&auml;rt und erhielt Stimmrecht
im jugoslawischen Staatspr&auml;sidium.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Anfang der achtziger Jahre geriet
Jugoslawien in eine dramatische Wirtschaftskrise. Da der Staatshaushalt
vor dem Bankrott stand und neue Kredite wegen der hohen Auslandsverschuldung
nicht mehr in Sicht waren, trat Jugoslawien Anfang der achtziger Jahre
dem IWF bei und unterwarf sich 1982 und 1987 sog. Strukturanpassungsprogrammen,
die Privatisierungen, Lohnstopps und Massenentlassungen vorsahen. Doch
die Regierung konnte die Vorgaben des IWF nicht wie vorgesehen erf&uuml;llen,
da es w&auml;hrend des gesamten Jahres 1987 zu Massenstreiks und -demonstrationen
kam. In der Zeit wurde im Dezember 1987 res&uuml;miert: "Ein komplettes
Chaos. Die Belgrader Regierung bekommt die Wirtschaftskrise nicht in den
Griff." Bei den L&ouml;hnen gehe es "balkanisch" zu. Lohnbeschr&auml;nkungen
w&uuml;rden durchl&ouml;chert, um soziale Unruhen zu vermeiden. 1987 sei
es zu einem Streikrekord gekommen. In allen F&auml;llen seien Gehaltsforderungen
der Ausl&ouml;ser gewesen. Besonders beklagt wurde in dem Artikel die niedrige
Arbeitsproduktivit&auml;t. Die "Arbeitsmoral" w&uuml;rde in Jugoslawien
"nicht gerade gro&szlig;geschrieben". Nach Expertenberechnungen seien dar&uuml;ber
hinaus ein Drittel der Besch&auml;ftigten in der Wirtschaft "technischer
&Uuml;berschu&szlig;".&nbsp;</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Im Zuge der Wirtschaftskrise nahm
in den einzelnen jugoslawischen Republiken der Nationalismus dadurch erheblich
zu. Dabei bildeten sich unterschiedliche Optionen heraus. W&auml;hrend
der Gesamtstaat Jugoslawien in den achtziger Jahren mit der Europ&auml;ischen
Gemeinschaft ein Assoziierungsabkommen geschlossen hatte, verbreitete sich
in Slowenien und Kroatien die Auffassung, nur alleine, d.h. nach einer
Abkoppelung vom wirtschaftlich schw&auml;cheren und hochverschuldeten S&uuml;den
des Landes, eine Chance auf einen EG-Beitritt zu haben. Die Haltung, den
armen S&uuml;den nicht l&auml;nger alimentieren zu wollen, f&uuml;hrte
1988 zum ersten Schritt der jugoslawischen Desintegration. Slowenien und
Kroatien k&uuml;ndigten einseitig ihre Zahlungen f&uuml;r den Bundesentwicklungsfonds,
Gelder, die, wie erw&auml;hnt, bisher zu gro&szlig;en Teilen in das Kosovo
geflossen waren.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Gleichzeitig wurden bei Entlassungen
in den n&ouml;rdlichen Republiken zuerst die zahlreichen Migrationsarbeiter
aus dem S&uuml;den des Landes auf die Stra&szlig;e gesetzt. W&auml;hrend
mit der Hoffnung auf einen EG-Beitritt somit in Slowenien und Kroatien
auf Separatismus gesetzt wurde, hielt die serbische Regierung unter Milosevic
aus derselben Hoffnung am jugoslawischen Gesamtstaat fest. Nur bei dessen
Erhalt und mit einem EG-Beitritt h&auml;tten auch Serbien und der S&uuml;den
des Landes eine Chance gehabt, vom europ&auml;ischen Markt partizipieren
zu k&ouml;nnen. Diese Motivation trug dazu bei, da&szlig; Milosevic jeglichen
Separatismus zu unterdr&uuml;cken suchte und 1989 in Reaktion auf die dortige
separatistische Bewegung das Autonomiestatut des Kosovo aufhob (siehe auch
rechte Spalte).</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Mit der dadurch gewonnenen Stimme
im Staatspr&auml;sidium hoffte die serbische Regierung Slowenien und Kroatien
majorisieren zu k&ouml;nnen, denn eine Aufteilung des Landes Jugoslawien
in verschiedene Staaten war laut Verfassung nur durch einen Mehrheitsbeschlu&szlig;
des Staatspr&auml;sidiums m&ouml;glich. Doch entgegen der jugoslawischen
Verfassung dr&auml;ngte Deutschland die neuen antisozialistischen Regierungen
in Slowenien und Kroatien Anfang der neunziger Jahre, einseitig ihre Unabh&auml;ngigkeit
zu erkl&auml;ren und dabei auch milit&auml;rische Auseinandersetzungen
in Kauf zu nehmen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Genscher erkl&auml;rte der kroatischen
Regierung 1991: "Mit jedem Schu&szlig; r&uuml;ckt die Unabh&auml;ngigkeit
n&auml;her". Die deutsche Presse von FAZ bis taz begann in dieser Phase
das Bild von den friedfertigen, europ&auml;ischen und marktwirtschaftlich
orientierten Slowenen und Kroaten einerseits und den amoklaufenden, barbarischen,
orientalischen und kommunistischen Serben andererseits unter die Leute
zu bringen. Das alte deutsche Feindbild Serbien brauchte dabei nur abgerufen
zu werden. Die Zivilisationsgrenze zwischen "Mitteleuropa" und dem "Orient"
wurde traditionsgem&auml;&szlig; wieder s&uuml;dlich von Kroatien gezogen.
Ziel der deutschen Propaganda war die Zerst&ouml;rung des "Vielv&ouml;lker-Gef&auml;ngnisses"
Jugoslawien, des "inhomogenen Kunststaates", des Reliktes des Versailler
Vertrages.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Gleichzeitig entsorgen die Deutschen
durch Projektionen auf Serbien ihre Vergangenheit. Herrenv&ouml;lkerwahn,
V&ouml;lkermord und Konzentrationslager waren pl&ouml;tzlich nicht mehr
Begriffe zur Beschreibung der deutschen Verh&auml;ltnisse, sondern dien(t)en
zur Legitimation f&uuml;r die Zerschlagung Jugoslawiens und die Beteiligung
der Bundeswehr an der Intervention gegen "die Serben" und ihren "Diktator".
All dies kulminierte darin, da&szlig; eine Gro&szlig;e Koalition von CDU
bis zu den Gr&uuml;nen im November 1991 beschlo&szlig;, Slowenien und Kroatien
auch "im Alleingang" zu Weihnachten 1991 v&ouml;lkerrechtlich anzuerkennen
und damit die Aufl&ouml;sung Jugoslawiens zu besiegeln.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Die Gr&uuml;nen hatten dies bereits
Anfang August 1991 gefordert. Sie waren Kohl und Genscher damit um einige
Monate voraus. Trotz Warnungen des UN-Generalsekret&auml;rs, der US-Regierung
und anderen, da&szlig; eine Anerkennung Kroatiens und Sloweniens die Ausweitung
des Konflikts auf andere hochgradig sensible Gebiete Jugoslawiens nach
sich ziehen w&uuml;rde, machte die deutsche Regierung zu Weihnachten 1991
Ernst und erreichte einen EG-Beschlu&szlig; f&uuml;r die Aufl&ouml;sung
Jugoslawiens. Den bewaffneten Auseinandersetzungen um Bosnien und das Kosovo
stand nichts mehr im Weg.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Der Beitrag f&uuml;r eine Veranstaltung
der Zeitschrift konkret wurde redaktionell bearbeitet und gek&uuml;rzt.</font></font></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr align="right">
	<td><a href="#top">nach oben</a></td>
</tr>
<tr>
	<td><hr></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
<TD COLSPAN="2"><font face="verdana, arial,helvetica"><H1><a name="eine"> Eine endliche Geschichte</a>
<P></H1><font face=verdana, arial,helvetica size=-1>
<P>Die Situation im Kosovo ist seit langem durch die Armut der Bev&ouml;lkerung gepr&auml;gt. Im sozialistischen Jugoslawien gab es eine Lohndifferenzierung von 6:1. Am obersten Ende rangierte Slowenien, am untersten das Kosovo.
<P>1980 hatte nur jeder zehnte Albaner eine Lohnarbeit im Kosovo, der &auml;rmsten Provinz des jugoslawischen Bundesstaates. Hunderttausende waren in den n&ouml;rdlichen Republiken Jugoslawiens besch&auml;ftigt. Noch vor den durch die Wirtschaftskrise verursachten Massenentlassungen ab 1987 lag die Arbeitslosenquote im Kosovo &uuml;ber 50 Prozent, und es gab weniger Besch&auml;ftigte als Studenten. Auch sie ohne Aussicht auf Besch&auml;ftigung.
<P>Die nicht zuletzt auch durch die Wirtschaftskrise in den achtziger Jahren versch&auml;rften Spannungen zwischen den Bev&ouml;lkerungsgruppen im Kosovo - vor allem den Kosovo-Serben und den Kosovo-Albanern - eskalierten Ende der Achtziger. Der Spiegel nannte das Kosovo bereits im November 1987 ein Libanon auf dem Balkan.
<P>Le Monde und FAZ berichteten im Juni und Juli 1987 von Anschl&auml;gen kosovo-albanischer Separatisten auf serbische Kl&ouml;ster, Kirchen und Friedh&ouml;fe, auf Viehbest&auml;nde und Getreidevorr&auml;te der Kosovo-Serben. Immer mehr Kosovo-Serben und -Montenegriner verlie&szlig;en unter dem Druck der Kosovo-Albaner die Provinz. Ende 1987 waren mehr als die H&auml;lfte aller D&ouml;rfer im Kosovo bereits ohne serbische Bewohner. Dazu trug auch der Bev&ouml;lkerungszuwachs der Kosovo-Albaner bei, die bis heute die h&ouml;chste Geburtenrate Europas ausweisen - eine Entwicklung, die derzeit auch f&uuml;r eine Versch&auml;rfung der Lage in Mazedonien sorgt.
<P>Die Verdr&auml;ngung durch die Kosovo-Albaner f&uuml;hrte bei den zur&uuml;ckbleibenden Kosovo-Serben zur Radikalisierung. So vertrieben auch sie Albaner aus ihren D&ouml;rfern, so da&szlig; &quot;ethnisch reine&quot; Enklaven entstanden. Die Neue Z&uuml;rcher Zeitung sah im November 1987 in der &ouml;konomischen R&uuml;ckst&auml;ndigkeit und in der hohen Arbeitslosigkeit &quot;zweifellos eine der Hauptursachen f&uuml;r die Eskalierung des nationalen Konflikts im Kosovo&quot;.
<P>In einer Resolution beschrieb der Bund der Kommunisten Jugoslawiens im Juni 1987 die Lage im Kosovo als dramatisch f&uuml;r die Einheit des jugoslawischen Bundesstaates und forderte die R&uuml;ckkehr der Vertriebenen in die autonome Republik.
<P>Um einerseits dem albanischen Separatismus entgegenzutreten und trotz R&uuml;ckgangs des serbischen Bev&ouml;lkerungsanteils nicht die Kontrolle &uuml;ber den Bundesstaat zu verlieren und andererseits von der Wirtschaftskrise abzulenken, verst&auml;rkte Serbiens Regierung unter Milosevic ihre nationalistische Propaganda.
<P>Diese Kampagne m&uuml;ndete 1989, dem 600. Jahrestag der Schlacht von Kosovo Polje (Amselfeld), der &quot;Wiege des Serbentums&quot;, im Marsch von rund einer Million Serben in das Kosovo, um den serbischen Anspruch auf das Gebiet zu demonstrieren. Dieser nationalistische Exze&szlig; verst&auml;rkte den kosovo-albanischen Sezessionismus, so da&szlig; Milosevic 1989 den Autonomie-Status des Kosovo aufhob.
<P>Nach der Abspaltung Sloweniens und Kroatiens und dem Wirtschaftsembargo gegen Rest-Jugoslawien spitzte sich die &ouml;konomische Krise weiter zu. Die gesamtwirtschaftliche Produktion Serbiens verringerte sich 1992 um 55 Prozent. Die offizielle Arbeitslosenquote im Kosovo stieg auf 60 Prozent. 1994 waren mehr als eine Million Menschen ohne festes Einkommen.
<P></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr align="right">
	<td><a href="#top">nach oben</a></td>
</tr>
<tr>
	<td><hr></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>

<tr>
<td COLSPAN="2">
<h1>
<font face="verdana, arial,helvetica"><a name="good">Good bye, America!</a></font></h1>
<b><font face="verdana,"><font size=-1>Durch eine Schw&auml;chung der Nato
k&ouml;nnte Deutschland wieder zur dominierenden Macht in Europa werden.&nbsp;</font></font></b>
<br><font face="verdana,"><font size=-1>Von Thomas Becker</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Amerika tappte in der Nacht zum
13. Oktober 1998 in die Falle, als es noch so scheinen mochte, da&szlig;
sich das Gewaltmonopol der UN ganz ohne Risiko ausschalten und die Nato
gefahrlos als k&uuml;nftige Wachmannschaft auf dem europ&auml;ischen Kontinent
installieren lie&szlig;e.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>In dieser Nacht konfrontierte der
Nato-Rat die Bundesrepublik Jugoslawien das erste Mal mit einem Ultimatum
nach jenem Muster, welches sich knapp ein halbes Jahr sp&auml;ter als fatal
erweisen sollte. Erst einmal aber gab es Entwarnung. Die jugoslawische
Armee wurde schon seit Ende September aus den Kampfgebieten abgezogen,
die UCK schien besiegt und der Krieg im Kosovo damit zu Ende. So schien
es ohne Belang, da&szlig; die milit&auml;rischen Planungen der Nato trotz
monatelanger Vorlaufzeit immer noch nicht abgeschlossen waren, denn f&uuml;r
den Fall, da&szlig; die zur Machtdemonstration geplanten Angriffe aus der
Luft ihre politische Wirkung verfehlen w&uuml;rden, waren keine weiteren
Eskalationsstufen vorgesehen. Milit&auml;rs hatten deshalb damals schon
vor dem Verlust an Glaubw&uuml;rdigkeit gewarnt, wenn die Nato dann nicht
bereit sei, die direkte Konfrontation mit der jugoslawischen Armee zu suchen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Gleichwohl verst&auml;rkte auch
das Timing, die Vereinbarung mit der jugoslawischen Regierung noch wenige
Stunden vor der Entscheidung des Nato-Rats bekanntzugeben, den Eindruck,
dieses sei w&auml;hrend der seit Tag und Nacht andauernden Verhandlungen
zwischen dem US-amerikanischen Sonderbeauftragten Richard Holbrooke und
Pr&auml;sident Slobodan Milosevic so abgestimmt gewesen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Beide Seiten wollten anscheinend
keinerlei Risiko eingehen und glaubten sich dabei auf die milit&auml;risch
gekl&auml;rte Lage im Kosovo verlassen zu k&ouml;nnen. Schlie&szlig;lich
hatte die amerikanische Regierung l&auml;ngst zu erkennen gegeben, da&szlig;
sie Jugoslawien freie Hand bei der Bek&auml;mpfung der UCK gew&auml;hren
w&uuml;rde.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Als einer der ersten hatte Holbrooke
selbst im Fr&uuml;hjahr 1998 die &Ouml;ffentlichkeit auf einen von amerikanischen
Au&szlig;enpolitikern besonders aufmerksam verfolgten Faktor der zunehmenden
Eskalation des Kosovo-Konflikts hingewiesen. Die sich seit M&auml;rz zuspitzende
milit&auml;rische Konfrontation sei vor allem darauf zur&uuml;ckzuf&uuml;hren,
da&szlig; die UCK eine stets zunehmende Menge Waffen via Albanien in das
Kriegsgebiet bringen w&uuml;rde; die albanische Regierung sowie "Geldgeber
im Ausland" jedoch seien darum bem&uuml;ht, diese Tatsache zu vertuschen.
Die albanische Regierung &uuml;be offenbar keine sachgem&auml;&szlig;e
Kontrolle &uuml;ber die Grenze zum Kosovo aus.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Der rangh&ouml;chste Nato-Milit&auml;rbeamte
in Europa, der amerikanische General Wesley Clark, hatte in einem inoffiziellen
Gespr&auml;ch mit Journalisten in Washington noch vor dem Treffen der Nato-Au&szlig;enminister
in Luxemburg Ende Mai die sich mehrenden Berichte &uuml;ber eine m&ouml;gliche
Stationierung von amerikanischen Soldaten entlang der jugoslawisch-albanischen
Grenze best&auml;tigt. Innerhalb der Nato w&uuml;rde diese M&ouml;glichkeit
wegen des besorgniserregenden Ausma&szlig;es von Waffenschmuggel ausgelotet.
W&auml;hrend einer gemeinsamen Pressekonferenz des amerikanischen und des
deutschen Verteidigungsministers in Washington wollte auch William Cohen
einen Milit&auml;reinsatz zur Unterbindung des Waffenschmuggels nicht ausschlie&szlig;en.
Volker R&uuml;he widersprach: "Das eigentliche Problem im Kosovo ist die
Diktatur, der Polizeistaat und die fehlende Autonomie f&uuml;r die Kosovo-Albaner.
Das eigentliche Problem ist nicht die Grenze zwischen Albanien und dem
Kosovo."</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>R&uuml;he hatte unmittelbar vor
dem Nato-Au&szlig;enministertreffen vor dem Au&szlig;en- und Verteidigungsausschu&szlig;
des Bundestages einen Einsatz der Bundeswehr in Albanien oder Mazedonien
zur Kontrolle der Grenzen zum Kosovo rundherum abgelehnt. Solche "symbolischen
Eins&auml;tze" seien gef&auml;hrlich und f&uuml;hrten nicht zu den gew&uuml;nschten
Ergebnissen. Die Bundeswehr w&uuml;rde sich an keinen Eins&auml;tzen beteiligen,
"die in ihrer Wirkung darauf hinauslaufen, das serbische Unterdr&uuml;ckungssystem
gegen die Kosovo-Albaner zu unterst&uuml;tzen". Im Gegensatz zu der in
deutschen Medien verbreiteten Meldung, die Nato plane eine "Intervention"
im Kosovo, hatten sich die deutschen Minister in Luxemburg nicht durchsetzen
k&ouml;nnen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Das am 28. Mai ver&ouml;ffentlichte
Kommuniqu&eacute; referierte vielmehr fast w&ouml;rtlich die amerikanische
Position. Die beschlossenen milit&auml;rischen Ma&szlig;nahmen der Nato
zielten darauf ab, "Albanien und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien
bei der Sicherung ihrer Grenzen zu unterst&uuml;tzen". Die International
Herald Tribune hatte schon tags zuvor von Pl&auml;nen der US- Milit&auml;rs
berichtet, in Mazedonien in unmittelbarer N&auml;he der Grenze zum Kosovo
ein Haupquartier zu errichten. Au&szlig;erdem sollte eine multinationale
Truppe nach Albanien entsandt werden, "um den dortigen Verantwortlichen
bei der Kontrolle der Grenze zu helfen".</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Auch Au&szlig;enministerin Madeleine
Albright hatte die Notwendigkeit derartiger Ma&szlig;nahmen nicht nur mit
der M&ouml;glichkeit begr&uuml;ndet, da&szlig; die K&auml;mpfe im Kosovo
sich auf die Nachbarstaaten ausweiten k&ouml;nnten; die Grenzsicherung
solle vor allem "Kr&auml;fte von au&szlig;erhalb daran hindern, den Konflikt
weiter zu eskalieren". Holbrooke hatte das milit&auml;rische Vorgehen Jugoslawiens
gegen die UCK entlang der Grenze zu Albanien schon Ende April indirekt
damit gerechtfertigt, hier sei es darum gegangen, den Nachschub von Waffen
und Terroristen zu unterbinden.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Ob die amerikanische Regierung auch
die einer Offensive der UCK Mitte Mai folgende jugoslawische Gegenoffensive
gebilligt hatte, l&auml;&szlig;t sich im nachhinein nur vermuten. Denn
auch Anfang Juni best&auml;tigte ein Treffen der Nato-Botschafter lediglich
die zuvor in Luxemburg gefa&szlig;ten Beschl&uuml;sse. W&auml;hrend Klaus
Kinkel eine "z&uuml;gige Entscheidung der Nato" einforderte, zitierten
US-Zeitungen namentlich nicht genannte Nato-Beamte mit der Einsch&auml;tzung,
auch die Juni-Offensive gegen die UCK habe eine klar umrissene Zielsetzung
gehabt: "Die Serben setzen die Armee zur S&auml;uberung der Grenzregion
ein. Man ben&ouml;tigt eine acht bis zehn Kilometer breite Zone, in der
sich keine Leute mehr aufhalten; jeder dort ist ein potentieller Feind.
Die dortigen Bewohner m&uuml;ssen ihre D&ouml;rfer verlassen, weil sie
sonst den Waffenschmuggel unterst&uuml;tzen k&ouml;nnten." Damit stand
sp&auml;testens Anfang Juli die amerikanische Kosovo-Strategie fest. Man
w&uuml;rde dem deutschen Interventionismus trotzen und der jugoslawischen
Armee das Feld &uuml;berlassen. Unter einem Eingreifen der Nato verstand
man in den amerikanischen Ministerien ausschlie&szlig;lich die Behinderung
des Nachschubs der UCK.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Entsprechend erbost waren die Reaktionen
in Deutschland. In einem Gespr&auml;ch mit der FAZ beanstandete Volker
R&uuml;he "das Verhalten derjenigen Au&szlig;enminister, die &ouml;ffentlich
zwar ein milit&auml;risches Eingreifen auf dem Kosovo fordern, innerhalb
des B&uuml;ndnisses aber die dazu notwendigen Schritte verweigern und sich
auf symbolische Handlungen beschr&auml;nken (...). Das Problem Kosovo kann
nicht gel&ouml;st werden, indem ich Truppen nach Albanien schicke, dort
die Grenze zum Kosovo dichtmache und so das Gesch&auml;ft des Herrn Milosevic
betreibe." Wiederholt h&auml;tten "Weisungen einiger L&auml;nder" den Nato-Rat
daran gehindert, die milit&auml;rischen St&auml;be des B&uuml;ndnisses
mit der &Uuml;berpr&uuml;fung notwendiger Einsatzpl&auml;ne zu beauftragen:
"Es ist heuchlerisch, &ouml;ffentlich milit&auml;risches Vorgehen im Kosovo
zu fordern und hinter verschlossenen T&uuml;ren in den Nato-Gremien zu
verhindern, da&szlig; die daf&uuml;r notwendigen Planungen vorgenommen
werden d&uuml;rfen."</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Als der Nato-Rat in der Nacht zum
13. Oktober 1998 die Bundesrepublik Jugoslawien das erste Mal mit einem
Ultimatum konfrontierte, schien die amerikanische Strategie tats&auml;chlich
aufgegangen zu sein. Das Ultimatum sollte der &Ouml;ffentlichkeit vorgaukeln,
da&szlig; nicht die jugoslawische Armee, sondern die Nato selbst die Kosovo-Krise
bew&auml;ltigt habe. Alle Beteiligten konnten zufrieden sein, au&szlig;er
Deutschland und der UCK. Erst nachdem sich diese im Norden Albaniens von
ihrer Niederlage soweit erholt hatte, um die jugoslawische Armee im Januar
1999 erneut herauszufordern, schnappte die Falle zu.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Jetzt sah sich die Nato selber gen&ouml;tigt,
das den UN entzogene Gewaltmonopol in Europa wahrzunehmen. Die Glaubw&uuml;rdigkeit
der Nato, im Klartext: die Rechtfertigung einer weiteren amerikanischen
Milit&auml;rpr&auml;senz in Europa, stand auf dem Spiel und wurde zum alles
beherrschenden Thema in Washington: "Jetzt gibt es keine Alternative mehr
zur Fortsetzung und Intensivierung des Krieges, wenn n&ouml;tig bis zum
Einsatz von Bodentruppen - eine L&ouml;sung, gegen die ich bisher leidenschaftlich
gek&auml;mpft habe, aber die jetzt erwogen werden mu&szlig;, um die Glaubw&uuml;rdigkeit
der Nato zu wahren" (Ex-Au&szlig;enminister Henry Kissinger am 2. April)
und: "Wir machen weiter bis zum Sieg" (US-Pr&auml;sident Clinton am 5.
April).</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Nun also f&uuml;hren die USA einen
Krieg, den sie nicht nur nicht gewollt hatten, den sie auch schon deshalb
nicht gewinnen k&ouml;nnen, weil sie auf der falschen Seite k&auml;mpfen.
Als Luftwaffe der UCK spielen die USA jetzt genau die Rolle, in die sie
Deutschland vor einem Jahr noch vergeblich zu dr&auml;ngen versuchte. Gleichwohl
schwindet das amerikanische Ansehen nur noch mit jedem weiteren Versuch,
die Glaubw&uuml;rdigkeit der Nato durch t&auml;glich gesteigerten Bombenterror
zu retten. Das ist wahrlich die Taktik, mit der ein zweites Vietnam gemacht
wird.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Und so wird gleichzeitig das Klima
geschaffen, in der die gro&szlig;albanische Karte ausgespielt wird und
sich ein Schreckensszenario verwirklichen k&ouml;nnte, vor dem die think
tanks des US-Verteidigungsministeriums ihre Regierung gewarnt hatten: "Im
schlimmsten Fall w&uuml;rde ein Konflikt im Kosovo s&auml;mtliche angrenzenden
Staaten involvieren. Albaner w&uuml;rden massenweise aus dem Kosovo nach
Mazedonien fl&uuml;chten. Serbien k&ouml;nnte im Norden Mazedoniens eindringen,
um aufst&auml;ndische Kosovo-Albaner, die dort ihre Stellungen haben, aufzusp&uuml;ren.
Griechenland w&uuml;rde Fl&uuml;chtlingen aus dem Kosovo die Einreise verweigern.
Da das kleine Mazedonien nicht in der Lage w&auml;re, sich zu verteidigen,
w&uuml;rde Bulgarien wahrscheinlich intervenieren, um die Mazedonier zu
besch&uuml;tzen, denen sich die Bulgaren ethnisch verwandt f&uuml;hlen.
Albanien w&uuml;rde K&auml;mpfer und Waffen in den Norden schicken, um
der albanischen Minderheit in Mazedonien zu helfen. Die T&uuml;rkei w&uuml;rde
sich m&ouml;glicherweise mit Aktionen gegen Griechen in Mazedonien oder
in der &Auml;g&auml;is einmischen, wodurch die S&uuml;dflanke der Nato
zerbrechen und die Nato selbst in eine Krise gest&uuml;rzt w&uuml;rde."
(National Defense University, September 1994).</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Schon melden sich die ersten deutschen
Kriegsgegner zu Wort, um den blamierten Amerikanern ein h&auml;misches
"Ami, go home" hinterherzurufen: "Milit&auml;rs denken an den Zusammenhalt
der Nato und die USA daran, da&szlig; sie die geborene F&uuml;hrungsmacht
sind. Das mag bisher so gewesen sein, aber bleiben darf es so nicht. Der
jetzige verheerende Feldzug hat es gezeigt. Es geht hier nicht um Dank
oder Undank. Wir Deutschen zumal hatten und haben den Amerikanern viel
zu verdanken. Es geht um eine weltpolitische Str&ouml;mung, an der wir
teilhaben und in der wir mitrudern m&uuml;ssen. Aber nicht noch einmal
darf man uns Deutsche in einen Krieg hineinzwingen. (...) F&uuml;r die
Deutschen sollte es das letzte Mal sein, da&szlig; sie bei einem 'Fehler'
dieser Art mitmachen. Wir haben auf dem Balkan nur humanit&auml;r, nicht
aber milit&auml;risch etwas zu suchen." (Rudolf Augstein im Spiegel vom
6. April 1999)</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Im Kosovo steht heute nicht mehr
blo&szlig; die Zerst&ouml;rung Jugoslawiens auf der Tagesordnung, sondern
die offene Blamage Amerikas und mithin die Zerschlagung der Nato als der
letzten Bastion der europ&auml;ischen Nachkriegsordnung. Durch die Beseitigung
der Nato, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem amerikanischen Versprechen
einer "dauerhaften Beendigung der Gefahr einer deutschen Vorherrschaft"
(Brief des US-Au&szlig;enministers Dean Acheson an den franz&ouml;sichen
Au&szlig;enminister Robert Schumann vom 29. November 1949) gegr&uuml;ndet
worden war, k&ouml;nnte Deutschland selbst wieder zur allein bestimmenden
Macht Europas heranwachsen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Der Beitrag f&uuml;r eine Veranstaltung
der Zeitschrift konkret wurde redaktionell bearbeitet und gek&uuml;rzt.</font></font></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
	<td align="center" valign="bottom"><font face="" size="+1" color="Red"><b>Start</b></font> | <a href="../start.html#aktuell">Aktuelles</a> | <a href="../flugis.html">Flugbl&auml;tter u.a.</a> | <a href="../linx.html">Linx</a> | <a href="../mail.html">Kontakt</a> | <a href="#top">nach oben</a></td>
</tr>
</table>

</body>
</html>
szlig;enminister Robert Schumann vom 29. November 1949) gegr&uuml;ndet
worden war, k&ouml;nnte Deutschland selbst wieder zur allein bestimmenden
Macht Europas heranwachsen.</font></font>
<p><font face="verdana,"><font size=-1>Der Beitrag f&uuml;r eine Veranstaltung
der Zeitschrift konkret wurde redaktionell bearbeitet und gek&uuml;rzt.</font></font></td>
</tr>
<tr>
	<td>&nbsp;</td>
</tr>
<tr>
	<td align="center" valign="bottom"><font face="" size="+1" color="Red"><b>Start</b></font> | <a href="../start.html#aktuell">Aktuelles</a> | <a href="../flugis.html">Flugbl&auml;tter u.a.</a> | <a href="../linx.html">Linx</a> | <a href="../mail.html">Kontakt</a> | <a href="#top">nach oben</a></td>
</tr>
</table>

</body>
</html>
