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	<title>jw-Interview mit Samira</title>
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	<td><b>jw-Interview mit Samira aus Berlin</b></td>
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<h2>Was kostet Sie das rote Ohr des Au&szlig;enministers?</h2>

<p><b>Samira wird beschuldigt, auf dem Bielefelder Kriegsparteitag der Gr&uuml;nen Au&szlig;enminister Fischer mit einem roten Farbbeutel attackiert zu haben. jW sprach mit ihm</b></p>
	

<P>
F: Sie haben am Dienstag mit etwa 100 Kriegsgegnern und
Kriegsgegnerinnen vor dem Ausw&auml;rtigen Amt in Berlin
demonstriert. Was war der Anla&szlig; f&uuml;r den Protest?</P>
<P>
Der Anla&szlig; war zum einen die Vernehmung Au&szlig;enminister
Fischers in der Sache des Farbbeutelwurfes auf dem
Kriegsparteitag der Gr&uuml;nen am 13. Juni 1999 in Bielefeld, der
mir zugeordnet wird und der ihn in seiner Funktion als
Mitverantwortlicher f&uuml;r den Krieg blutrot markierte. Zum
anderen sollte das Ausw&auml;rtige Amt mit den
Antikriegspositionen sozusagen negativ eingeweiht werden.
Wir wollten noch einmal einen der Orte aufsuchen, die sehr
wichtig und treibend im Krieg waren und sind. Es kommt ja
nicht von ungef&auml;hr, da&szlig; Fischer am Mittwoch &uuml;ber die Presse
h&ouml;here Verteidigungsausgaben forderte. Das Ausw&auml;rtige Amt
hat eine viel st&auml;rkere kriegstreibende Funktion, als uns bisher
vielleicht bewu&szlig;t war.</P>
<P>
F: Was hat Au&szlig;enminister Fischer zu der Farbbeutel-Attacke
von damals nun gesagt?</P>
<P>
Fischer h&auml;tten die Ohren gedr&ouml;hnt. Dem Richter ging es
vorwiegend darum zu ermitteln, wieviel Schmerzen Herr
Fischer hatte, und ob er mich als werfende Person gesehen
h&auml;tte, ob da Butters&auml;ure drin gewesen sei und auch wie teuer
sein Stangen- und Lieblingsanzug war.</P>
<P>
Von seiten der Verteidigung wurde der Au&szlig;enminister mit
der Frage konfrontiert, &raquo;ob der Zeuge Fischer die Beteiligung
der Bundesrepublik an dem Krieg der NATO gegen
Jugoslawien mit durchgesetzt hat&laquo;. Diese Frage wurde von
dem Richter allerdings zur&uuml;ckgewiesen, da sie &raquo;ohne
Bedeutung&laquo; sei. Wir haben einen Befangenheitsantrag gestellt,
da der Richter offensichtlich parteiisch ist. Im &uuml;brigen brachte
er auch keine Zeit mit, eine Vernehmung im Sinne der
Verteidigung tats&auml;chlich zuzulassen.</P>
<P>
F: Es gab von Fischer den Vorschlag, die Anzeige
zur&uuml;ckzuziehen, wenn Sie die Arztrechnung bezahlen und an
die Kosovo-Hilfe spenden. Warum haben Sie dieses Angebot
abgelehnt?</P>
<P>
Zun&auml;chst einmal war es ein taktisches Angebot, das Herr
Fischer der &Ouml;ffentlichkeit pr&auml;sentierte, und nicht den
Anw&auml;lten oder mir. Er hat es im &raquo;Spiegel&laquo; lanciert. Von daher
kann man sich &uuml;ber den Gehalt oder die ernsthaften Absichten
sicherlich streiten.</P>
<P>
Aber politisch ist es vielleicht viel relevanter, dar&uuml;ber
nachzudenken. Die Ohrverletzung von Herrn Fischer war
bekannterma&szlig;en nicht Absicht der Aktion. Insofern hatte ich
mich zur &Uuml;bernahme der Behandlungskosten bereiterkl&auml;rt,
vorausgesetzt, er w&uuml;rde angesichts seiner Mitverantwortung
an diesem Krieg entsprechend die Verletzten, Traumatisierten
und die Hinterbliebenen der Toten angemessen entsch&auml;digen.
Statt einer Spende an die Kosovo-Hilfe habe ich Fischer
vorgeschlagen, drei Deserteure aufzunehmen - einen der
jugoslawischen Armee, einen von der UCK und einen
Deserteur, nat&uuml;rlich von der NATO, weil ich mich quasi gegen
alle Kriegsparteien richte.</P>
<P>
F: Wie reagierte Herr Fischer auf den Gegenvorschlag?</P>
<P>
Mit gro&szlig;em Schweigen.</P>
<P>
F: Vom Bielefelder Parteitag erhofften sich viele in
Jugoslawien, die Gr&uuml;nen w&uuml;rden doch wieder zu ihren
pazifistischen Wurzeln zur&uuml;ckfinden. F&uuml;r viele Menschen in
dem damals bombardierten Land sind Sie mit dem
Farbbeutelwurf zu einem kleinen Helden geworden, weil diese
Hoffnungen eben nicht erf&uuml;llt wurden, Fischer aber auch nicht
ungestraft f&uuml;r seine Kriegspolitik blieb. In Deutschland selbst
gab es kritische Stimmen: Mit der roten Farbe am Jackett und
einem schmerzenden Ohr habe sich Fischer als Opfer gerieren
k&ouml;nnen und so manchen Delegierten wieder in seine Arme
schlie&szlig;en k&ouml;nnen.</P>
<P>
Ich w&uuml;rde beiden Sichtweisen widersprechen. Zum einen
ist die Hoffnung, die Gr&uuml;nen w&uuml;rden sich auf ihre
pazifistischen Wurzeln besinnen, vollkommen verfehlt. Zu
diesem Zeitpunkt ist der Opportunismus der Gr&uuml;nen, an der
Macht zu bleiben, so gro&szlig; geworden, da&szlig; alle Inhalte, die
irgendwann einmal f&uuml;r diese Partei von Relevanz waren,
schon l&auml;ngst im Ausverkauf gehandelt wurden. Von daher war
die Hoffnung, da&szlig; auf diesem Parteitag noch irgend etwas
Positives passieren k&ouml;nnte, ziemlich unbegr&uuml;ndet.</P>
<P>
Zum anderen war die Entscheidung zum Krieg l&auml;ngst
gefallen, und Fischer h&auml;tte ihn so oder so weitergef&uuml;hrt. Die
sogenannte linke Opposition innerhalb der Gr&uuml;nen hatte sich
ebenfalls opportunistisch verhalten und nur eine Empfehlung
verabschiedet. Die einzige richtige Antwort w&auml;re damals
gewesen, sofort die Regierung zu verlassen oder den R&uuml;cktritt
von Au&szlig;enminister Fischer zu verlangen - oder eben der
Partei den R&uuml;cken zu kehren. Das h&auml;tte tats&auml;chlich die einzige
Antikriegsposition in der eskalierten Situation sein k&ouml;nnen.</P>
<P>
Die Bombardierung Jugoslawiens dauerte damals schon
sieben Wochen an, und die Gr&uuml;nen glaubten, sie k&ouml;nnten noch
&uuml;ber Krieg oder Frieden diskutieren. Insofern war es
wichtiger, ein Zeichen zu setzen, da&szlig; man von einem Fischer
nichts mehr erwartet, da&szlig; man von den Gr&uuml;nen als
fortschrittliche Kraft nichts mehr erwarten kann. Sie waren
l&auml;ngst schon Modernisierer von Herrschaft geworden.
Au&szlig;erdem ging es praktisch auch darum, den Krieg zu
stoppen und den Kriegsparteitag zu verhindern.</P>
<P>
F: Mit welcher Strafe mu&szlig; man rechnen, wenn man einen
Au&szlig;enminister mit roter Farbe besudelt?</P>
<P>
Die Strafe f&uuml;r die Ohrverletzung eines deutschen
Au&szlig;enministers liegt bei ungef&auml;hr sieben Monaten Gef&auml;ngnis,
ausgesetzt auf drei Jahre Bew&auml;hrung, sowie eine erkleckliche
Geldstrafe. Ich habe gegen dieses Urteil bekannterma&szlig;en
Einspruch eingelegt, um noch mal &Ouml;ffentlichkeit gegen den
Krieg herzustellen. Das hei&szlig;t, es wird zu einer Verhandlung
kommen.</P>
<P>
<B>Interview: R&uuml;diger G&ouml;bel</B></P>

	
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