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	<title>Kein FriedeN mit der NATO - Proze&szlig;  11.11.1999 - Proze&szlig;erkl&auml;rung</title>
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	<td><b><i>11.11.1999</i></b>
<h2>Proze&szlig;erkl&auml;rung vor Gericht</h2>

Gerade mal 60 Jahre nach demzweiten Weltkrieg und 10 Jahre nach  der Einverleibung der DDR  f&uuml;hrtDeutschland  wieder einen  Angriffskrieg. Ich h&auml;tte nicht gedacht,da&szlig; es so schnell gehenk&ouml;nnte, da&szlig; Krieg wieder ein Mittel deutscher Politik  sein wird. Ich  habe mich bis  vor einem Jahr noch des&ouml;fteren gefragt,  wie die Faschisten es schaffen konnten,   halb Europa  in Schutt und    Asche zu  legen, ohne da&szlig;  es innerhalb Deutschlands nennenswerten Widerstand gegen den  Nationalsozialismus gegeben hat. Heute stellt  sich  die  Frage f&uuml;r mich  nicht   mehr.<br>
Nachdem mit der  Abschaffung des Asylrechts auch  die  nationale Debatte beendet  wurde, brauchte es nur ein  paar Jahre  der schrittweisen Aufweichung von den  bisherigen  Grenzen der Au&szlig;enpolitik undder st&auml;ndigenWiederholung, endlich wieder Verantwortung &uuml;bernehmen zu  m&uuml;ssen. Dies,  gepaart  mit  ein paar Monaten  Propaganda, reichte aus, umden deutschen Volkscharakter wieder aufleben lassen. Ich will damit  nicht behaupten,  da&szlig;  die Bombardierung  Jugoslawiens dasselbe sei wie der zweite  Weltkrieg, sondern, da&szlig;  die Schemata, eine  Bev&ouml;lkerung  kriegsf&auml;hig  zu machen, diegleichen geblieben sind. Modernisiert sieht das dann so aus, da&szlig; man sich  des Rassismus'  bedient gepaartmit Humanit&auml;t. Man wei&szlig;t jedes eigene Interesse  strikt vonsich,willeigentlich garnicht, aber, von der eigenen Menschlichkeit getrieben - einige  sogar innerlich zerissen - entscheidet man sich, in denKrieg zu ziehen. Deutsche M&auml;nner sollen bombenwerfend Mord,  Totschlag, Vertreibung und  Vergewaltigung  verhindern.  Erst einmal inden Krieg gezogen, fragt keiner  mehr  nach dem Sinn  oder der Wirksamkeit der angewendeten Mittel. Da&szlig; die meisten Menschen erst mit dem Beginn  der Bombardierung geflohen sind, ist nur der  Beweis f&uuml;r die Brutalit&auml;t des Gegners.  Auch, da&szlig; die erw&auml;hnten Massenerschie&szlig;ungen, wenn sie denn so stattgefunden haben,  durch Bombardierung  nicht verhindert werden und mal wieder bekannt wurde, selbst die Zivilbev&ouml;lkerung dezimiert zu haben, beweist auch das nur wieder die Brutalit&auml;t des Gegners, der  Menschen als  Schutzschilde  f&uuml;r zivile Geb&auml;ude  benutzt. Auch das Anliegen, Vergewaltigungen der Serben zu verhindern,kann nicht  ernst gemeint sein. Jedenfalls nicht von einem Land, in dem bis vor kurzem noch Vergewaltigung  in der Ehe als m&auml;nnliches Recht  angesehen wurde, und  das  Vergewaltigung und/oder  sexualisierte Gewalt  auch heute noch nicht  als Fluchtgrund anerkennt,  d.h. von sexualisierter Gewalt bedrohte Frauen  abschiebt. Alle vorgegeben Gr&uuml;nde  f&uuml;r diesen Krieg sind  erlogen.<br>
Wenn  die vorgegeben Gr&uuml;nde aber   nicht  die wahrenMotive f&uuml;r  diesen Krieg sind, stellt sich die  Frage, nach dem Warum. Kriege waren  immer dazu  d, um politische  und &ouml;konomische  Interessen durchzusetzen, L&auml;nder zu erobern, Rohstoffe zu sichern und/oder  die Bev&ouml;lkerung nach Belieben zu versklaven.  Es gibt &uuml;berhaupt  keinen Grund anzunehmen, da&szlig; es bei  der Zerschlagung Jugoslawiens  anders  sein sollte. Die  Privatisierung  der  jugoslawischen Industrie, die  &ouml;konomische Ruinierung des Landes haupts&auml;chlich durch IWF und Weltbank  und die sp&auml;tere erweiterte deutsche Variante  der  Sezession Jugoslawiens ergibt kleine, leicht kontrollierbare Regionen,  die, wie heute eindeutig erkennbar, in  der  Abh&auml;ngigkeit Deutschlands  und westlicher Industrieller  stehen.<br>
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Doch bevor ich weiter  darauf eingehe, stellt  sich ja trotzdem die Frage, warum  gerade Deutschland aufgrund seiner Geschichte wieder  einen  Angriffskrieg durchf&uuml;hrenkonntee. Das erschreckende daranist,  da&szlig; Deutschland nicht <i>trotz</i> sondern <i>wegen</i> des Holocaust wieder einen Angriffskrieg  f&uuml;hrt. Die millionenfache industrielle Vernichtung der europaischen Juden mu&szlig; daf&uuml;r herhalten, wieder inden Krieg zu ziehen.<br>
N&ouml;tig  dazu sind meiner  Meinung nach die  SPD und die  GR&Uuml;NEN gewesen. Was, wie oben schonkurz  erw&auml;hnt, von der  ehemaligen  Regierung gut vorbereitet wurde, hat Rot/Gr&uuml;n fort-bzw. umgesetzt. Die SPD hat hier erneut ihren historischen Auftrag erf&uuml;llt. Bei der Frage nach Patriotismus oder  Klassenkampf hat sich die SPD  immer f&uuml;r  das  erstere entschieden. Schon  kurz vor dem ersten Weltkrieg gab die Parteispitze der SPD ihre vorgegebene antimilitaristische  Haltung auf  und  stimmte, bis  auf Karl Liebknecht, wie vomnationalistischen Fieber befallen, f&uuml;r die Kriegskredite. Wie allgemein bekannt ist, wurde Karl Liebknecht, der  seine  antimilitaristische  Haltung nie  aufgab, Jahre sp&auml;ter auch ermordet. Bei  der  Macht&uuml;bertragung an die  Faschisten weigerte  sich die  Parteispitze der SPD  zum Widerstand  aufzurufen  und verhinderte damit die M&ouml;glichkeit wenigstens ein  eindeutiges  Signalgegen die deutsche  Herrenmenschen-Ideologie zu setzen.<br>
Und auch in  der BRD, bzw. jetzt: Deutschland, hat sich die  Parteispitze f&uuml;r das  Deutsch-Sein entschieden. Das Hauptmerkmal f&uuml;r die Wichtigkeit der SPD scheint die durchg&auml;ngige Disziplinierung  in  der Partei zu sein, in  der jede Abweichung  zur Parteispitze nicht  denkbar  scheint.  Wenn jemand es gar  wagt, aus der Partei auszusteigen und gar  &ouml;ffentlich  eine andere  Position zu  beziehen, wir er  in&acute;s &ouml;ffentliche Aus gestellt.  Das  beste Beispiel hierf&uuml;r ist Oskar Lafontaine.  Ohne Oskar  Lafontaine  politisch bewerten zu wollen, ist es doch  interessant zu beobachten, wie ein  hier angesehener Politiker allein durch  den Ausstieg aus der Parteiarbeit und eigener Stellungnahme  mit Dreck beworfen  werden  darf. Nach  Verlassen  der Partei  wurde  er zum Abschu&szlig; freigegeben.<br>
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Das, was noch n&ouml;tig war, haben die  GR&Uuml;NEN erledigt. Wenn auch innerlich  sehr zerissen, haben die GR&Uuml;NEN verstanden, da&szlig;,  wenn sie  regieren wollen,  kriegsf&auml;hig sein m&uuml;ssen. Und der Teil, der  die Partei nicht verlassen hat, aktzeptiert dies, f&uuml;r heute und in Zukunft.  Dar&uuml;berhinaus  stehen  die GR&Uuml;NEN mit ihrer Politik daf&uuml;r, bei allem, was sie einmal &auml;ndern wollten, als sie  noch  nicht Regierung waren, zuzustimmen. Sobald sich jedoch Widerstand dagegen entwickelt, will  die Gr&uuml;ne Partei ein Teil der L&ouml;sung  sein,  um den Widerstand aufzusaugen.<br>
<br>Mit dem Beginn des Angriffskrieges ist ein Teeil  deutscher Normalit&auml;t wieder zur&uuml;ckgekehrt.  Krieg ist wieder unumst&ouml;&szlig;liches Mittel deutscher Politik.  Alles  wird nach dem Aspekt des Deutsch-Seins gef&uuml;hrt   - in allen Bereichen. Das gr&ouml;&szlig;te Problem in Deutschland ist, da&szlig; sich  der  v&ouml;lkische Charakter fast von selbst formiert. Es scheint eine Selbstverst&auml;ndlichkeit, da&szlig; Deutschland wieder &uuml;berallmitbestimmen mu&szlig;, ob nun im Weltsicherheitsrat  odr in der Europ&auml;ischen Union. Allein bei dem Stichwort "Standort Deutschland" reihen sich  fast alle widerspruchslos unter das nationale Interess ein. &Uuml;berall wird das "neue Selbstbewu&szlig;tsein"  der Deutschen in alle Richtungen geschrien. Am deutschen  Wesen soll die Welt  genesen ist  die  wieder  ausgegeben Parole.  Die Konsequenz, die dieses Selbstbewu&szlig;tsein mit  sich tr&auml;gt, hei&szlig;t Auschwitz.<br>
<br>Ich bin angeklagt wegen Totaler Kriegsdienstverweigerung. Durch die  Situation  innerhalb Deutschlands ist -und so war es auch f&uuml;r mich- die Entscheidung  total zu verweigern individuell. Dochungeachtet der individuellen Gr&uuml;nde  ist sie eine kompromi&szlig;lose Haltung gegen&uuml;ber  Staatstreue,  Zwangsdienste und Milit&auml;r. Ich habe  1992,  zum Zeitpunkt meiner Strafversetzung, den Zivildienst nach neun Monaten abgebrochen.  F&uuml;r  mich war die Entscheidung der Totalen KDV eine Absage an Imperialismus, M&auml;nnerherrlichkeit,  Liberalismus, Befehl und Gehorsam und die  deutsche Volksgemeinschaft. Diese Entscheidung hat sich  seitdem nicht ver&auml;ndert, sondern sich in denletzten Jahren, w&auml;hrend  der zunehmenden Militarisierung Deutschlands  und  durch den Angriffskrieg gegen Jugoslawien best&auml;tigt  bzw.  verfestigt.  Die Totale  KDV ist  eine M&ouml;glichkeit den deutschen  Verh&auml;ltnissen sein  NEIN  entgegen zu  setzen.<br>
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Doch ich binja gleichzeitig auch  des Landfriedensbruchs, der  Sachbesch&auml;digung  und  N&ouml;tigung angeklagt. Mir  wird  vorgeworfen, am 6. Mai  diesen Jahres  mindestens vier  Eier auf  die Besucher der Feier zum 50j&auml;hrigen Bestehen der  NATO  und der, zu deren Schutz bereitgestellten Polizei geworfen zu haben. Doch geht es hier nicht  um die Eier, die geschmissen wurden, sondern um den  Widerstand gegen die Kriegstreiber.<br>
W&auml;hrend sich die Kieler Kleinprominenz, Milit&auml;rs mit Botschafter  aus  England und  Polen ein  Stelldichein geben, zerst&ouml;rt das Kriegsb&uuml;ndniss, welches sie feiern, gerade die Lebensgrundlage von mehr als 10 Millionen Menschen. Denn Abgesehen von  dem 50j&auml;hrigen  Bestehen  wird mit Sekt auf den  ersten Angriffskrieg des Verteidigungsb&uuml;ndnis' NATO auf einen souver&auml;nen Staat angesto&szlig;en. Damit will ich nicht die terroristischen Angriffe der Amerikaner, die angeblich  gegen BinLaden gef&uuml;hrt werden, verteidigen,  aber mit dem  Jugoslawienkrieg  ist die Schwelle dahingehend zerst&ouml;rt,  &uuml;berallund  in  jeden  Staat milit&auml;risch  intervenieren zu k&ouml;nnen, wo die Herrenmenschen dies f&uuml;r richtig  halten. Rein aus  humanit&auml;ren Gr&uuml;nden nat&uuml;rlich oder, wie es in den  verteidigungspolitischen Richtlinien hei&szlig;t:  "...f&uuml;r  die Aufrechterhaltung des freien  Welthandels und des ungehinderten Zugangs zu M&auml;rkten und Rohstoffen in aller Welt". Mit dieser Perspektive  soll jeder 
Widerstand, egal wie marginal er  ist, kriminalisiert  werden, was  auch mit  dieser Anklage geschieht.
Ich m&ouml;chte kurz  noch die Konsequenzen, die  aus diesem  Krieg resultieren anrei&szlig;en:<br>
NATO hin oder her, so haben die europ&auml;ischen Aggressoren - allen voran die Hegemonialmacht Deutschland  -  festgestellt,  gerne mal ohne  die Amerikaner Krieg spielen zu  wollen, zumindest was den eigenen Hinterhof betrifft. Die  politische Reaktion hierauf  ist die Wiederbelebung der WEU,  die, nach dem zweiten Weltkrieg  als   Milit&auml;rb&uuml;ndnis  gegen  die SU gegr&uuml;ndet, heute  den  Zweck erf&uuml;llen soll,  unter  der politischen F&uuml;hrung der Europ&auml;ischen Union, eine  eigene  Kriegspolitik unabh&auml;ngig von und in Konkurrenz zu den Amerikanern zu entwickeln. Und mit den vor  kurzen get&auml;tigten Fusionen melden die f&uuml;hrenden Waffenfirmen aus der EU nachdr&uuml;cklicher als je zuvor  den Anspruch  an, im Wettbewerb um die wehrtechnische Best&uuml;ckung  des  Globus mitbestimmen und die Krigsf&auml;higkeit  Europas herzustellen. Die alte Forderung und   wiederholte  Bekr&auml;ftigung  einer gemeinsamen  Au&szlig;en-und Sicherheitspolitik ist  die Ank&uuml;ndigung f&uuml;r  die  immer weitergehende Abschottung Europas gegen selbstproduzierte Fluchtbewegungen und  das  Versprechen  zur  Herstellung  der eigen Kriegsf&auml;higkeit. F&uuml;r die Menschen  inDeutschland, die sich gegen  die  Kriegsmaschinerie entschieden  haben und sich  nicht der deutschen  Volksgemeinschaft unterwerfen wollen, hei&szlig;t das, mit unseren  M&ouml;glichkeiten den  Widerstand zu organisiern.  Denn nach dem Krieg ist vor  dem Krieg.<br>
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