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	<title>Kein FriedeN mit der NATO - Zur Militarisierung der Gesellschaft ...</title>
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<tr>
	<td><b><i>Veranstaltungstext I. - 03.11.'99</i></b>
<h2>Zur Militarisierung der Gesellschaft</h2>

<img src="../images/bahnhof1.jpg" width=497 height=349 border=0 align="right" alt="">
Bei den &Uuml;berlegungen zu einer politischen Aktion im Zusammenhang mit dem Prozess am 11.11. war es uns wichtig den Rahmen (der zun&auml;chst nur die Totale Kriegsdienstverweigerung betraf) im gesellschaftlichen Kontext zu erweitern.<br>
Ausgangspunkt hierbei ist f&uuml;r uns, da&szlig; wir "Militarismus" nicht nur im unmittelbaren Zusammenhang von Soldaten, Gener&auml;len und Feldherren sehen, sondern der Meinung sind, das die gesellschaftliche Formierung in Deutschland im wesentlichen einen militarisiernden Charakter hat.<br>
Die Assoziation von "Strammstehen" und "Pickelhauben", die mit einem Seitenblick auf die historische Bedeutung von Miltarismus (Stichwort Preu&szlig;en) hochkommt, ist unter Umst&auml;nden hilfreich f&uuml;r die Betrachtung dessen, wohin dies f&uuml;hrt, dennoch glauben wir, das der derzeitige Militarisierungsproze&szlig; wesentlich moderner daherkommt.<br><br>

Kernst&uuml;ck aber ist und bleibt, da&szlig; Prinzip des ‚starken (deutschen) Mannes, der Sicherheit und Ordnung bringt'.<br><br>

Nicht nur bei Fragen nach milit&auml;rischen Eins&auml;tzen, also der direkten Entscheidung &uuml;ber Krieg und Frieden, wird der militaristische Charakter dieser Gesellschaft deutlich, auch in allen anderen &ouml;ffentlichen Auseinandersetzungen wird der Ruf nach autorit&auml;ren L&ouml;sungen und der Ordnung durch den starken Mann lauter und lauter!<br><br>

Z.B. gerade die Auseinandersetzung um soziale Ungerechtigkeit wird &uuml;berdeckt mit Debatten &uuml;ber angeblich steigende Kriminalit&auml;tsraten und der allgemeinen Unsicherheit.
Rassistisches Gelaber &uuml;ber Fl&uuml;chtlingsstr&ouml;me liefert die Munition f&uuml;r verst&auml;rkte Grenzsicherung und Kontrolle auf der staatlichen Seite und f&uuml;r die Gr&uuml;ndung von B&uuml;rgerinis gegen Fl&uuml;chtlingsunterk&uuml;nfte und B&uuml;rgerwehren im sogenannten zivilgesellschaftlichen Bereich. <br>
Was das Ergebnis ist, wenn dieses Potential loslegt, zeigte sich 1992 in Rostock-Lichtenhagen, als die radikale Mitte dieser Gesellschaft eine Woche lang die &ouml;rtliche Fl&uuml;chtlingsunterkunft angriff,
was dann anschlie&szlig;end als Begr&uuml;ndung daf&uuml;r herhielt, das deutsche Asylrecht abzuschaffen.<br><br>

Von diesem ersten Wendepunkt nach der Restauration der deutschen Landkarte 1990 hat sich das Tempo zur Wiederherstellung der deutschen Normalit&auml;t enorm versch&auml;rft:<br><br>

Offene Armut, Drogenkonsum oder der offene Ausdruck, sich nicht den Normen und Konventionen der Gesellschaft unterzuordnen, unterliegen einer konsequenten Selektion.<br>
Punks, Junkies und Berber werden als erste aus ihrem zentralen Lebensraum, der Innenstadt, vertrieben. Fl&uuml;chtlinge an jeder Ecke auf rassistische Art und Weise kontrolliert.<br><br>

Alle, die sich nicht in das Konsumverhalten der wei&szlig;en, artig arbeitenden und fr&ouml;hlich konsumierenden Norm-Massen integrieren lassen wollen, bekommen den starken Arm der Ordnungsmacht zu sp&uuml;ren.<br><br>

<b>Rund um den Bahnhof sichert der Bundesgrenzschutz das Gel&auml;nde. </b><br><br><img src="../images/bahnhof2.jpg" width=497 height=349 border=0 align="left" alt="">

Mit dem Wegfall der EU-Binnengrenzen durch die Unterschrift unter das Schengener Abkommen hat sich die Zust&auml;ndigkeit dieser paramilit&auml;rischen Einheit auf ein Gebiet 5 Kilometer rund um jeden Bahnhof in jeder Stadt verlagert.<br>
Begr&uuml;ndet wurde dies damit, da&szlig; sich die Verst&ouml;&szlig;e gegen die Grenze nun ja nicht mehr an  e i n e m  Punkt auf  e i n e m  Strich zwischen zwei L&auml;ndern abspielen, sondern im gesamten Verkehrsnetz im Inneren.<br>
In diesem Zusammenhang steht dann auch die Idee des ehemaligen Bundesinnenminister Kanther nach New-Yorker-"Zero Tolerance"-Muster mit sogenannten "Sicherheitsnetzen" durch verst&auml;rkte Zusammenarbeit zwischen BGS und L&auml;nderpolizei jede Form abweichenden Verhaltens konsequent aus dem Stadtbild zu entfernen.<br><br>

Da&szlig; damit eine zentral gef&uuml;hrte Bundespolizei ihr Hoheitsgebiet in den Kern jeder gr&ouml;&szlig;eren deutschen Stadt verlegt hat, ist dabei sicher nicht nur gern in Kauf genommen worden, sondern politisch geplant gewesen, zumal es sich beim BGS auch um eine Einheit zur direkten Aufstandsbek&auml;mpfung im Krisenfall handelt.<br>
Dies ist eine Entwicklung, die die sogenannten V&auml;ter des Grundgesetzes &uuml;brigens als eine der Lehren aus der Geschichte des Nationalsozialismus zu verhindern vorgaben, als sie die Organisation von Polizeistrukturen in die Zust&auml;ndigkeit der L&auml;nder legten.<br><br>

Mit der &Auml;nderung der T&auml;tigkeitsfeldes des BGS ist auch hier ein St&uuml;ck deutscher Normalit&auml;t wieder auferstanden.<br><br><br>




<b>Konsumzone Innenstadt
</b><br><br>
In den Konsum- und Vergn&uuml;gungstempeln wie Sophienhof und CAP neben dem Bahnhof sch&uuml;tzen zus&auml;tzlich die schwarzen Sherrifs die Sicherheit derer, die es sich noch leisten k&ouml;nnen, am allgemeinen Konsumrausch teilzunehmen.<br>
Sie sind als Garde im direkten Auftrag der Kapitalisten zwar nicht milit&auml;risch hochger&uuml;stet wie ihre Kollegen im Staatsdienst, doch ist ihr Zupacken zuweilen offen brutaler.<br>
Anders als Bullen oder BGSler, die in Polizeischulen und Kasernen, sehr genau darauf gedrillt werden, auf den Befehl des n&auml;chsth&ouml;heren Vorgesetzten zu warten, bevor sie loslegen,
klinken die privaten Sicherheitscorps h&auml;ufiger einfach durch,
und demonstrieren ihre uniformierte Macht schneller durch offene Gewalt.<br><br>

Der restliche &ouml;ffentliche Raum wird zunehmend &uuml;berwacht und kontrolliert durch Zivis, &Uuml;berwachungskameras an jeder Ecke und Bullenstreifen im Minutentakt.<br>
Das dies nicht weniger wird, zeigt die Aufstockung des Bullenetats in Schleswig-Holstein um 
9 Millionen auf 646 Millionen Mark im n&auml;chsten Jahr.<br><br><br>


<b>Zur&uuml;ck zur Gesellschaft</b><br><br>

Der Gro&szlig;teil der Bev&ouml;lkerung nimmt eine solche Entwicklung als richtig hin, haben sie sich doch mittlerweile so sehr an autorit&auml;re L&ouml;sungsmodelle gew&ouml;hnt, da&szlig; sie sie nicht mehr missen m&ouml;gen.<br><br>

Die Umstrukturierung des sozialen Gef&uuml;ges bringt immer mehr Unsicherheiten mit sich, die teilweise bis zur Bedrohung der eigenen Existenz gehen, z.B. die Sorge um den Arbeitsplatz als materielle Absicherung der eigenen Existenz in einer Welt, in der das Kapital sich zunehmend der ihm abgerungenen sozialen Absicherungen entledigt. Die Aufforderung an Arbeitslose nach "mehr Flexibilit&auml;t", ist nicht anders zu verstehen, als sich freiwillig in diese Unsicherheiten zu begeben...<br><br>

Eigentlich sollte mensch meinen, da&szlig; die allgemeine Situation dazu f&uuml;hrt, das System komplett in Frage zu stellen, doch in Deutschland ist das anders:<br><br>

Autorit&auml;re L&ouml;sungsmodelle, die die Ursachen verdecken und andere f&uuml;r die allgemeine Unsicherheit verantwortlich machen, werden allzugern angenommen. Der  s t a r k e   S t a a t  verspricht die ben&ouml;tigte Sicherheit und Identit&auml;t.<br><br>

Und so formiert sich die deutsche Gesellschaft um die Liste der alten Werte, auf der "deutsch" dann auch wieder ganz oben steht. Da&szlig; dieses Kollektiv auf v&ouml;lkischer Grundlage zur eigenen Existenzsicherung &uuml;ber Leichen geht, hat die Welt bereits mehrfach erlebt.<br>
Und welches Potential an Menschenverachtung in einem v&ouml;lkisch formierten Deutschland m&ouml;glich ist, hat die industrielle Vernichtung von 6 Millionen Juden in Auschwitz gezeigt...<br><br>



	
	
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