Veranstaltungstext II. - 03.11.'99

Männliche Zurrichtung in der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist eine staatliche Institution, welche auch die Aufgabe hat, als "Schule der Nation" alle Männer zu zwingen an dem Umerziehungsprozeß vom Menschen zur Maschine teilzunehmen.

Wenn ein Mann in die Grundausbildung der Bndeswehr kommt, wird er zuallererst gezwungen, seine private Kleidung abzulegen und sich uniform zu kleiden. Anschließend erfährt er, daß mit der Uniformierung des Äußeren auch eine Uniformierung des Geistes gefordert wird. Die Arbeit des Geistes soll darauf reduziert werden, mit Hilfe von Abzeichen Hierarchien wahrzunehmen, zu akzeptieien und treu zu gehorchen. Jeder Mensch wünscht sich aus dem Kugelhagel herrauszurennen - nur der Befehl kann ihn davon abhalten. Dazu ist es nötig, den eigenen Willen der Rekruten zu brechen, da dieser dem Beruf des Soldaten abträglich ist. Die mechanische Umsetzung geschieht über wochenlanges marschieren, exerzieren, stundenlanges Strammstehen (bei Gelöbnissen zuweilen bis zum Kollaps), richtiges militärisches Grüßen usw.

1992 forcierte Generalinspekteur Naumann in einer aggressiven Ansprache vor Kommandeuren in Leipzig den neuen Kurs der Bundeswehr. Er forderte eine harte gefechtsnahe Ausbildung der Soldaten, diese nannte er bequem und weinerlich. Daraus leitete er die Forderung ab, daß Soldaten in hinsicht auf ihre Kriegsverwertbarkeit schärfer ausgebildet werden sollten. Das bedeutet eine stärkere Zurichtung von Männern zu soldatischen Männern. Zu diesem Zwecke wird den Rekruten der Privatbereich entzogen. Dort wird nicht nur an Rekruten herangetreten, sondern auch in sie hinein. So erfährt der Mann eine für ihn bestimmte Zurichtung, die bis über die Leistungsgrenze hinausgeht. Diese Überschreitung der Grenze wird bis zur Besinnungslosigkeit praktiziert.
Den Druck, die Entmenschlichung unddie Entwürdigung in der allgemeinen Ausbbildung zum soldatischen Mann vordergründig ertragen zu können, gilt als "mannhaft" und ist somt positiv besetzt. Dieses Ertragen ist jedoch nur Fassade, hinter welcher der unerbitterliche Kampf gegen die eigene Schwäche und alles "unmännliche" geführt wird. Die Veerinnerlichung dieser kaputten Selbstdisziplinierung funktioniert auch bei gesellschaftlich noch so weit untenstehenden Männern darüber, daß ihnen Macht über Frauen und Flüchtlinge zugestanden, und hnen suggeriert wird, Herr über die eigene Person und Schwachheit zu sein.
In der Truppe läuft die Zuweisung des Mannes an seinen Platz in der Gesellschaft zum Beispiel darüber, daß, bevor der tägliche Drill beginnt - 5 Minuten vor dem Wecken - eein sexistischer Weckruf in die Gänge gerufen wird, der Männern vermitteln soll, daß Frauen minderwertig sind und sich den Männern zursexuellen Verfügung zu stellen haben. Mit anderen Worten: Die männlichenweißen Sklaven akzeptieren die Existenz von Hierarchisierung und patriarchalen Gewaltstrukturen insofern, als daß sie selbst Herr sein können oder wollen.
Der soldatische Mann - hart gegen andere und sich selbst -ist ein gesellschaftliches Leitbild, an demdie Orientierung von Jungen und Männern verläuft. Wer dieses über sich ergehen läßt, gilt als gut gedrillt und kriegstauglich. Wer nun durch die Grundausbildung den soldatischen Mann verinnerlicht hat und über keinen igeneen Willen mehr verfügt (ähnlich einer Schachfigur), ist jetzt reif als Kanonenfutter für die imperialistischen Interessen der BRD verheizt zu werden.
Hier soll nun nicht der Eindruck entstehen, es handele sich um Opfer, wenn Deutschland seine Soldaten "out of area" schickt. Natürlich sind dies in erster Linie Männer, die dazu ausgebildet sind,möglichst effizient zu töten.

Generalinspeekteur Naumann erwähnte dazu, daß es zur Führungsaufgabe der Bundeswehr gehört die Soldaten mit dem Tod vertraut zu machen. Und Volker Rühe setzte 1993 nach, daß es zu den vitalen Sicherheitsinteressen deutscher Politik gehöre, ungehinderten Zugang zu Märkten und Rohstoffen weltweit zu haben.

Wer nun denkt, daß Wehrpflichtige sowieso nicht zu Kriegseinsätzen "out of area" geschickt werden, dem sei in's Bewußtsein gerufen, daß es Wehrpflichtige sind, die zu Dumpinglöhnen den ganzen Laden aufrecht erhalten und mit Pinsel und Farbe dafür sorgen, daß den Kriegstreibern das Kriegsmaterial nicht untermHintern wegrostet. Somit sind sie durchaus ein wichtiger Bestandteil von Einsätzen der Krisenreaktionskräfte, die nur aus Berufssoldaten bestehen.
Das Berechtigungsschema für diese Angriffskriege ist einfach: Der Ausgangspunkt ist die Konstruktion von sich bekriegenden nationalen Herrschaftsgebilden. Die Begründung für den Angriff liefert ein angeblicher Verteidigungsfall eines Volkes, welches in seiner Definitionsmacht auf Sprache, Kultur und Aussehen zurückgreift. Um sich dieser Angriffslogik zu entziehen, muß man den Besitzanspruch des Staates an den Diener des Staates, nämlich en Mann, zurückweisen. Anders ausgedrückt: In der Furcht davor, sich militärisch verwursten zu lassen und sich selbst wichtiger zu nehmen als das national konstruierte Interesse, steckt ein Hauch von Fundamentalopposition. Der konsequente Weg, sich dieser Kriegsverwertungslogik zu entziehen, ist die Totalverweigerung, eben weil sie den Besitzanspruch des Staates zurückweist.
Natürlich ist es richtig zu sagen, daß der Zivildienst im "Spannungsfall"(so die offizielle BBezeichnung) ein Kriegsdienst ohne Waffe ist und von daher schon abzulehnen ist. Denn es scheint auch wenig fortschrittlich zu sein,aufgrund von Zwang zu Dumpinglöhnen soziale Arbeiten, die außerdem häufig in hierarchisch strukturierten Betrieben mit schlechten Arbeitsbedingungen stattffinden, auszuüben.
Aber allein die Tatsache,daß ein Staat es für legitim hält, den Besitzanspruch an Männer zu stellen und sie zum Dienen zu zwingen (ob nun "militärisch" oder zivil"), sollte ausreichen, sich diesem System total verweigern zu wllen.

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